Albrecht-Altdorfer-Gymnasium, Regensburg
Was ist
ADHS?
Bei ADHS, also der
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, handelt es sich um eine
teilweise genetisch bedingte Stoffwechselstörung im Frontalhirnbereich, bei der
die Weiterleitung von Reizen gestört ist, weil zu viele Neutrotransmitterstoffe
vorhanden sind.
Wie zeigt
sich ADHS?
Die daran erkrankten Kinder können sich nur schwer
längere Zeit auf etwas konzentrieren, weil sie sich von anderen Reizen leicht
ablenken lassen, neigen entweder zu motorischer Unruhe oder zu Tagträumerei
oder Depressivität. Die Hyperaktivität gehört daher nicht in jedem Fall zur
Ausprägung des Krankheitsbilds! Die Kinder fallen uns auf, weil sie oft recht
ungeschickt in Grob- oder Feinmotorik sind (Sport, Kunst) und ihre Kraft
teilweise nicht angemessen dosieren können. Angemessenheit fehlt ihnen auch bei
der Reaktion auf andere Mitmenschen, sei es Kritik oder Zuwendung. ADHS-Kinder
handeln sehr spontan, sprechen ohne sich zu melden, haben Schwierigkeiten, ihre
Handlungen zu planen und sind schwer zu motivieren. Sie finden daher in der
Klasse schlecht Anschluss und werden rasch zum Außenseiter, der wegen seines
Verhaltens ausgelacht und ausgegrenzt wird.
Kann man
ADHS behandeln?
Nach dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand
kann der Stoffwechselhaushalt durch Medikamente wie Ritalin oder Medikinet
weitgehend normalisiert werden, so dass sich die Kinder im Alltag besser
zurecht finden können. Inwieweit eine Medikation und/oder eine Therapie nötig
sind, müssen die Eltern entscheiden.
Wichtig ist aber auch der richtige Umgang mit
ADHS-Kindern, um Negativerfahrungen so gering wie möglich zu halten und um ihr
Selbstwertgefühl zu stabilisieren.
Wie
verbreitet ist ADHS?
Nach statistischen Untersuchungen leiden etwa 4% aller
Schüler unter ADHS. Besonders betroffen sind Jungen, wobei diese auch
deutlicher auffallen, da hier meist die motorische Unruhe hinzukommt. Mädchen
neigen eher zur Ausprägung ohne Hyperaktivität und stören als Tagträumer
weniger den Unterricht.
Wie kann
man einem ADHS-Kind das Lernen in der Schule erleichtern?
Sollte sich in einer Klasse ein ADHS-Kind befinden,
sollte es möglichst weit vorne sitzen, bzw. an einem Platz mit ständigem
Blickkontakt zum Lehrer. Generell engagiert sich dieses Kind mehr, wenn es
merkt, dass es dem Lehrer nicht gleichgültig ist und es sich angenommen fühlt.
Es lernt leichter, wenn der Unterricht stark
strukturiert ist und vom Ablauf her einen festen Rahmen hat. Freie
Arbeitsformen gelingen nur, wenn das Kind für eine bestimmte Thematik
hochmotiviert sein sollte.
Ihm zu sagen, dass es „still sitzen“ soll, hilft
nicht, sondern provoziert vielleicht nur. Erfolgreicher ist es, dem Kind
Bewegungsmöglichkeiten zu verschaffen (Tafel wischen, etwas aufhängen etc.).
Durch die gestörter Gestaltauffassung und –wiedergabe
haben ADHS-Kinder meist eine sehr schlechte Schrift, v.a. wenn es schnell gehen
soll oder in Prüfungssituationen.
Ähnlich chaotisch kann es auch auf dem Schreibtisch
oder in der Schultasche aussehen. Zu Hause müssen die Eltern helfen, in der
Schule ist es sinnvoll, wenn das Kind allein sitzt, damit es Freiraum zum
„Verwalten“ der Materialien hat. Es muss aber unbedingt kommuniziert werden,
dass dies ein Entgegenkommen und keine Strafe ist. Vielleicht ist es möglich,
eine Vierreihe nur mit drei Schülern zu besetzen, so dass das ADHS-Kind einen
Nachbarn und eine freie Seite hat.
Stört das Kind, indem es Antworten in den Unterricht
hineinruft, bewährt sich eine Mischlösung von „in den Unterricht einbinden“ und
„ignorieren“.
Nicht selten kommt es jedoch auch vor, dass diese
Kinder ungesteuerte Unmutsäußerungen von sich geben, die jedoch nicht
persönlich gegen jemanden gerichtet sind, da sie die Wirkung auf andere nicht
abschätzen können. Steigert sich das Kind hier in unpassende Ausdrücke, sollte
es eine Art „Auszeit“ bekommen und kurz aus dem Raum gehen.
Je bestimmter und klarer – aber dennoch freundlich -
man einem ADHS-Kind sagt, was man von ihm erwartet, umso erfolgreicher wird man
sein. Das gilt auch für die Erledigung von Hausaufgaben. Nur was angekündigt,
eingefordert und kontrolliert wurde, wird getan werden.
Und die
übrigen Schüler in der Klasse?
Es ist sicher günstig, die Schüler über das
Krankheitsbild aufzuklären und Verständnis für das ADHS-Kind zu schaffen. Trotzdem
werden Auseinandersetzungen unter den Kindern nicht ausbleiben. Vermutlich wird
es dann Sache des Klassenleiters (oder eines anderen Fachlehrers, der sich der
Thematik annehmen möchte) oder eines Lehrerteams sein, anfallende Probleme zu
diskutieren und dafür zu sorgen, dass das Kind nicht zum Sündenbock oder
Klassenkasper abgestempelt, bloß gestellt oder ausgelacht wird.
Vielleicht finden sich auch ein paar Schüler, die
Verständnis für das ADHS-Kind zeigen und sich seiner annehmen können.
Da unsere Klassen in der Regel von der 5. bis zur 11.
Jahrgangsstufe zusammen bleiben, wäre viel gewonnen, wenn ADHS-Kinder so früh
wie möglich in die Klassengemeinschaft integriert und ihre Erkrankung
akzeptiert werden könnte. Derart angenommen Kinder würden sich in der Schule
dementsprechend wohler fühlen, wodurch sich andererseits auch das Störpotenzial
automatisch abbauen würde.
Quellen:
Cordula Neuhaus: Ein
Kind mit ADHS – Tipps für Pädagogen, Medice, Iserlohn.
Faltblatt des Bundesverbands Aufmerksamkeitsstörung /
Hyperaktivität e.V., Forchheim.
Dr. G.-E.Trott und Dr. F.Badura: Aufmerksamkeitsdefizit – und Hyperaktivitätsstörung – die medikamentöse
Behandlung, Medice, Iserlohn.
dies.: Kinder mit
Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung: Besonderheiten in der Schue
und Behandlungsmöglichkeiten, Medice, Iserlohn.