Klassenfahrt der 11a nach Budapest
vom 2.4. – 7.4. 2006

Sonntag, 2.4. 2006
Nach einem Vierteljahr
Planung und basisdemokratischen Abstimmungen unter Ausschluss der Minderheit
(Griechen) begann um 7.45 Uhr am Regensburger Hauptbahnhof unsere Reise nach
Budapest. Auf der achtstündigen Zugfahrt mit Umsteigen in München herrschte
trotz Platzmangel gute Bestimmung, wir beschallten mittels Boxen den halben Zug
und die Kartenspielerfraktion machte ihre Drohung war, acht Stunden am Stück
Schafkopf zu spielen. Bei blauem Himmel und strahlender Sonne kamen wir
schließlich um 16.30 Uhr am Keleti pu (Ostbahnhof) in der ungarischen
Hauptstadt an. Unglücklicher Weise war zu diesem Zeitpunkt eine der zahlreichen
Wahlveranstaltungen für die bevorstehenden Parlamentswahlen zu Ende gegangen,
sodass sich unsere Ankunft im Hotel „Griff“ durch Staus verzögerte.
Nachdem sich dann alle in
den ordentlichen Zimmern eingerichtet und ihr Geld in Forint umgetauscht
hatten, beschlossen wir den Tag mit einem großen Abendessen in der Stadt.
Montag, 3.4. 2006
Noch verschlafen und mit
Verspätung begannen wir die von unserer ungarischen Reisebetreuerin geplante
Stadtrundfahrt. Diese führte uns über das Diplomatenviertel und den Volkspalast
zu unserer ersten Station, dem Heldenplatz, der 1896 zum 1000-jährigen Bestehen
Ungarns erbaut wurde. Zweite Station war das Burgviertel im Stadtteil Buda, wo
die zwischenzeitlich unter der Besetzung der Türken zur Moschee umgewandelte
Matthiaskirche und die prächtige Fischerbastei stehen, die im Rahmen der
Jubiläumsfeierlichkeiten zu Ehren der alten Fischerzunft erbaut wurde und von
der man eine tolle Aussicht auf die Donau und Pest hat. Zuletzt fuhren wir noch
auf den Gellérthügel. Dort ist neben einer österreichischen Zitadelle das 1947
entstandene Befreiungsdenkmal zu besichtigen, das an die im Zweiten Weltkrieg
gefallenen sowjetischen Soldaten erinnert und von weitem zu sehen ist. Wir
haben uns allerdings auf das eindrucksvolle Stadtpanorama konzentriert.
Den restlichen Tag konnten
wir die vor allem vom Baustil des 19. Jahrhunderts geprägte Innenstadt auf
eigene Faust erkunden, wo uns an allen Ecken sozialistische
Devotionalienhändler mit Leninbüsten, Orden und angeblich originalen
Kopfbedeckungen der Roten Armee ins Auge fielen.
Dienstag, 4.4. 2006
Erschöpft vom langen
Programm des Vortags machten wir uns nach dem wie immer sehr guten Frühstück im
Hotel auf dem Weg zum Parlament. Es wurde 1904 nach 20-jähriger Bauzeit
eingeweiht und ist das größte Gebäude Ungarns. Der dem Londoner Parlamentsgebäude
nachempfundene Bau beinhaltet 691 Räume, darunter zwei Sitzungssäle. Doch neben
der Architektur sind auch die Sicherheits-
Maßnahmen eindrucksvoll:
einige von uns mussten sich nach Durchqueren des Metalldetektors gründlich
filzen lassen.
Nach ein paar Stunden
Mittagspause trafen wir uns wieder zum Besuch des „Haus des Terrors“. Dort war
neben dem Gestapogefängnis auch der kommunistische Staatssicherheitsdienst
untergebracht. In einer Ausstellung wird an die Zeit der Unterdrückung Ungarns
erinnert.
Mittwoch, 5.4. 2006
An diesem Tag besichtigten
wir das jüdische Viertel und die Budapester Synagoge. Sie wurde 1859 eingeweiht
und ist die größte Europas. In einem kleinen Garten, der zur Synagoge gehört,
steht das 1992 geschaffene Holocaust-Denkmal: eine Trauerweide, auf deren
Blätter- kleine Täfelchen aus Metall- jeweils der Name eines jüdischen Opfers
des Faschismus eingraviert ist. Obwohl das hitlerfreundliche Regime Hórthys die
Deportationen verzögerte, kamen 820 000 ungarische Juden in Auschwitz ums
Leben. Tausende konnten jedoch durch die Schutzpässe des schwedischen
Diplomaten Raoul Wallenberg gerettet werden.
Nach einer kurzen
Mittagspause trennten wir uns: Der eine Teil besichtigte mit den Nussers die
Staatsoper, die Stephansbasilika, die Kettenbrücke sowie die vom Hochwasser
überfluteten Uferstraßen, der andere Teil der Klasse besuchte das
Franz-Liszt-Museum und anschließend die Stephansbasilika, in der die rechte
Hand des heiligen Stephan aufbewahrt wird und von deren imposanten Kuppel man
eine beeindruckende Aussicht auf die Stadt hat.
Donnerstag, 6.4. 2006
Den letzten Tag hatten wir
uns in zwei Abschnitte unterteilt. Am Vormittag besuchten wir das
„Tropicarium“, in dem alle möglichen Tiere wie Haie, künstliche Alligatoren und
strahlungsresistente Skorpione zu bestaunen waren.
Am Nachmittag fuhren wir ins
Széchenyi- Thermalbad. Wie von Frau Kisslinger angekündigt, trafen wir dort ein
Musterbeispiel für Planwirtschaft bzw. Arbeits-beschaffungsmaßnahmen an. Es
ging so weit, dass die Schließfächer nur von bestimmten Angestellten geöffnet
oder geschlossen wurden, die dabei ein undurchschaubares Zahlensystem
benutzten.
Nach diesem eher entspannten
Tag hatten wir noch genügend Energie, den letzten Abend angemessen zu
gestalten. Zuerst plünderten wir die Kuchenkasse für ein üppiges Abendessen in
einem teureren Lokal. Das meistfotografierte Essen war sicher Jans aus drei
Schnitzeln zusammengeklopfte Riesenschnitzel. Anschließend wurde (wieder
basisdemokratisch) beschlossen, noch in eine Disco zu gehen. Ein Teil der
Klassen machte sich dann schon gegen 23 Uhr auf den Heimweg zum Hotel, der Rest
blieb nach der Mahnung „Kommts fei net zu spät zurück, gell?“.
Freitag, 7.4. 2006
Nach einer sehr kurzen Nacht
(für manche nur eine Stunde lang) traten wir die Heimreise an. Wehmütig
verabschiedeten wir uns von den abenteuerlichen Straßenbahnen, unseren
Lieblingskneipen, die gewisse Personen gerne mit nach Hause genommen hätten,
den unverständlichen Lautsprecherdruchsagen auf Ungarisch und Lilis Geldbörse,
die ihr im letzten Moment vor der Abfahrt gestohlen wurde. Um 17.30 kamen wir
schließlich wieder in Regensburg an.
Vielen Dank an Herrn und
Frau Nusser, die für eine entspannte Atmosphäre
gesorgt und im Chaos einer Großstadt immer den Überblick behalten haben.

© Johannes Steinbach,
Philipp Stöcker