Die Kastanienminiermotte
(Cameraria ohridella)

- Ein Portrait des Schädlings mit einer Analyse der Befallssituation der Roßkastanien Regensburgs (Speziell im Sommer 1998) -

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biologie der Kastanienminiermotte

2.1 Entdeckung und Namensgebung

2.2 Aussehen und Erkennungsmerkmale

2.3 Entwicklungsstadien und Populationsverlauf

2.4 Wirtspflanzen

3 Verbreitung der Kastanienminiermotte

3.1 Tatsächlicher Herkunftsort

3.2 Vorgang der Verbreitung

3.3 Zukunftsprognose bezüglich der Verbreitung

4 Untersuchung der Befallsituation der Roßkastanien Regensburgs

4.1 Methodik der Untersuchung

4.2 Zusammenhang von Alter der Bäume und Befallsintensität

4.2.1 Bei weißblühenden Roßkastanien

4.2.2 Bei rotblühenden Roßkastanien

4.3 Zusammenhang von Pflege der Bäume und Befallsintensität

4.4 Zusammenhang von Umwelteinflüssen und Befallsstärke

4.4.1 Schadstoffimmissionen

4.4.1.1 Schwefeldioxid (SO2)

4.4.1.2 Stickstoffdioxid (NO2)

4.4.1.3 Stickstoffmonoxid (NO)

4.4.1.4 Klimatische Faktoren

4.4.1.5 Relative Feuchte

4.4.1.6 Verteilung der Temperatur

4.4.2 Natürliche Indikatoren von Schadstoffen (Beispiel Flechten)

4.5 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse

5 Vorbeugung und Bekämpfung der Kastanienminiermotte

5.1 Chemische Bekämpfung

5.1.1 Dimilin und Alsystin

5.1.2 Confidor

5.2 Biologische Bekämpfung

5.2.1 Parasitoide

5.2.2 Andere natürliche Feinde

5.2.3 Spezialdüngung ("Verfahren Saller")

5.3 Bekämpfung durch elektrotechnische Verfahren

6 Schluß

7 Bildteil

8 Literatur

1 Einleitung

"Killer-Motten bedrohen die Biergärten" (tz, 24.07.98), oder "Motten-Angriff auf Biergärten" (Abendzeitung, 24.07.98) sind nur zwei Schlagzeilen, die die allge meine Aufruhr um die Roßkastanienminiermotte sehr gut ausdrücken.

Sie machen deutlich, daß bisher (aus Unwissenheit ?) große Angst vor diesem "gemeine(n) Viech" (Ebd.) besteht.

In dieser Facharbeit sollen die bisherigen Erkenntnisse über die Kastanienminiermotte zusammengefaßt und durch eigene Untersuchungen ergänzt werden, um die Lebensweise der Motte und den durch sie verursachten Schaden offenkundig zu machen.

Dafür wurde zum einen ein Portrait dieser Motte erstellt, das sich mit der Biologie, der Bekämpfung und der Verbreitung dieses Schädlings befaßt.

Neben diesem Teil der Arbeit, der aus Literaturarbeit und aus Gesprächen mit Dr. Heitland, der sich an der Ludwig-Maximilians-Universität mit dem Schädling befaßt, entstanden ist, wurden auch eigene Untersuchungen zum Kastanienminiermottenbefall, speziell in Regensburg, angestellt.

Dazu wurde im Sommer '98 bei 269 weiß- und bei 33 rotblühenden Roß-kastanien, die sich im Innenstadtgebiet Regenburgs befinden, eine Schadfeststellung durchgeführt, bei der die Kastanien auch kartiert wurden.

Bei dieser Befallsuntersuchung wurde besonders auf die Frage eingegangen, warum einige Kastanienbäume deutlich stärker befallen waren als andere.

Da in der Literatur darüber keine Angaben zu finden waren, mußten die Erkenntnisse aus eigenen Beobachtungen und Überlegungen erzielt werden.

2 Biologie der Kastanienminiermotte

Unter diesem Oberpunkt soll ein Portrait der Roßkastanienminiermotte erstellt werden.

2.1 Entdeckung und Namensgebung

Die Kastanienminiermotte wurde erstmals 1984 am Ohrider See in Mazedonien (ehemaliges Jugoslawien) von Forstarbeitern auf angepflanzten Roßkastanien (Aesculus hioppocastanum) festgestellt.

Von Gerfried Deschka wurde sie genauer untersucht und im Winter 1984/85 als zum Genus Cameraria gehörig, erkannt.

Nach einer Untersuchung ihres Typenmaterials wurde die Kastanienminier-motte 1986 (vom 'National Museum of Histroy' in Washington) als neue Art fest-gelegt.

Die Motte erhielt den Namen Cameraria ohridella, der auf den Entdeckungsort (Ohrider See in Mazedonien) und auf seine Zugehörigkeit zu den Miniermotten (Cameraria) hinweist. (vgl. ÖKO°L 16/3, 1994, S.32f.)

Bei dem Schädling "handelt es sich um einen Schmetterling (Lepidoptera), der zur Familie der Miniermotten (Lithocolletidae) gehört." (http://www.fh-weihenstephan.de/va/bot_ps/merkblat/kastanie.htm). Seine Larven entwickeln sich minierend (d.h. sie fressen Gänge in die Blätter hinein). (vgl. Münchner Gehölzistitut e.V., "Aktuelle Straßenbaumkrankheiten", Gräfelfing, 20.07.98, S.1-6)

2.2 Aussehen und Erkennungsmerkmale

Der ausgewachsene Falter ist ca. 5mm lang und besitzt eine Vorderflügellänge von ca. 3,5mm. Neben langen Antennen sind besonders die weißlichen Quer-bänder an den Vorderflügeln, sowie seine federartigen Hinterflügel auffällig.

(http://www.fh-weihenstephan.de/va/bot_ps/merkblat/kastanie.htm)

In der Natur ist es schwierig, die Motte anzutreffen, aber das Schadbild, das sie verursacht, ist leicht zu erkennen und von der ähnlich erscheinenden Blatt-bräune (die bei Kastanien häufig auftritt und von einem Pilz [Guignardia aesculi] verursacht wird) leicht zu unterscheiden, da das Minengangsystem der Motte unterschiedliche Braun-/Grautöne aufweist, während die Blattbräune das Blatt gleichmäßig "bräunt".

Am sichersten ist der Kastanienminiermottenbefall festzustellen, wenn ein betroffenes Kastanienblatt gegen eine Lichtquelle gehalten wird, denn dabei ist das Minengangsystem noch deutlicher zu erkennen, außerdem findet man beim Öffnen solcher Minen Larven, Puppen und Kotkügelchen. (Anhang S. 24, [Abb. 1]).

2.3 Entwicklungsstadien und Populationsverlauf

Bei der Kastanienminiermotte treten meist drei sich überlappende Generat-ionen im Mai, Juli und September auf.

Die weißen, abgeflachten Eier werden ausschließlich auf der Blattoberseite abgelegt.

Ein Weibchen legt ca. 20 Eier ab, wobei pro Teilblatt (ein Kastanienblatt be-steht aus fünf bis sieben Teilblättern) eine Dichte von bis zu 100 Eiern und pro Gesamtblatt eine Dichte von 300 Eiern zu beobachten ist.

Nach etwa drei Wochen schlüpfen die Junglarven. Diese gehören zum "Saftschlürfertyp", d. h. sie minieren - fressen sich also einen Gang von 1-2mm Länge - strichförmig parallel zu einem Blattnerv- den sie dann seitlich voraustreiben.

Während des zweiten und dritten Larvenstadiums zählen die Larven zum "Gewebefressertyp" - sie bauen nun die Mine zu einem kreisförmigen Gebilde aus, der einen Durchmesser von bis zu 8mm erreichen kann.

Im vierten und fünften Larvenstadium sind die Larven nicht mehr abgeplatten, sondern rundlich und deutlich segmentiert. Auch in diesen beiden Stadien gehören sie zum "Gewebefressertyp" und bauen ihre Mine weiter aus.

Diese Wohnstätten der Larven können 30-40mm groß werden und zwei Seiten-nerven des Kastanienblattes überlappen. Bei sehr starkem Befall können sogar Gemeinschaftsminen, in denen sich mehrere Larven befinden und die eine noch größeres Ausmaß besitzen, entstehen. (Anhang S. 25 u. 26 [Abb. 2 u. 3])

Nach dem fünften Larvenstadium folgt das Einspinnstadium.

Die anschließende Puppenruhe beträgt 12-16 Tage (im Sommer), oder etwa 6 Monate (bei der überwinternden Generation).

Bald nach dem Schlüpfen sind die Motten geschlechtsreif.

(vgl.: http://www.forst.uni-muenchen.de/LST/ZOO/HEITLAND/PROJECTS/biologie01.html und http://www.fbra.bmlf.gr.at/inst4/miniermotte/stadien.html )

2.4 Wirtspflanzen

Aus dem Namen "Roßkastanienminiermotte" ersichtlich, ist der betroffe Wirt die Roßkastanie. Bei dieser muß man allerdings zwischen zwei Arten unterscheiden: Aesculus hioppocastanum - die weißblühende Roßkastanie und Aesculus x carnea - die rotblühende Roßkastanie.

Gerfried Deschka, ein Österreichischer Wissenschaftler, sieht die Roßkastanien als Tertiärrelike an, welche die Eiszeit auf dem Balkan überdauert haben sollen.

(Auch die Kastanienminiermotte soll -nach Deschka- mit ihrem Wirt das Glazial am Balkan überdauert und somit bereits vor der Eiszeit existiert haben. (vgl. ÖKO°L16/3 1994, S.32ff)

Die Roßkastanie (damals wahrscheinlich die weißblühende) wurde um das 15. -16. Jahrhundert vom Wiener Hofbotaniker Clusius (1525-1609) nach Österreich gebracht und anschließend über die ganze nördliche Erdhalbkugel verbreitet. (vgl. Ebd.)

Die Kastanie ist somit ein standortfremder mitteleuropäischer Baum, der fast ausschließlich durch Menschenhand verbreitet wurde und wird.

Seine Hauptbedeutung hat die Kastanie vor allem als "Zierbaum" und ist wegen seiner schönen Blüten und seinem dichten Blattwerk in Parks und Biergärten sehr beliebt. Forstlich ist diese Baumart weniger interessant, da die Kastanie ein sehr weiches Holz besitzt.

In Regensburg ist die Kastanie in Alleen und Biergärten ein sehr beliebter Baum, aber mit ca. 300 Exemplaren (in der Innenstadt) ist sie sicher nicht die vorherrschende Art.

Einige besonders schöne Exemplare sind beispielsweise die fünfstämmige weißblühende Roßkastanie im Dörnbergpark (ca. 100 Jahre alt), oder eine besonders alte Kastanie in der Lieblstraße/ Ecke Badstraße (ca. 300 Jahre alt) mit sehr schönen, weitausladenden Ästen.

Neben den Kastanien sollen auch Bergahorner von der Kastanienminiermotte befallen werden, dafür wurden aber weder in der Literatur, noch in der Natur Hinweise gefunden.

3 Verbreitung der Kastanienminiermotte

Hier soll aufdeckt werden, woher die Motte stammt und wie deren Verbreitung von statten ging und zukünftig gehen könnte.

3.1 Tatsächlicher Herkunftsort

Wie in Punkt 2.4. angedeute, soll die Motte bereits vor dem Glazial bei ihrer Wirtspflanze gelebt haben. Beide sollen auf dem Balkan oder auch evtl. in den Rhodopen (Gebirge in Bulgarien und Griechenland), also in sehr kleinen Arealen, die Eiszeit überdauert haben. (vgl.ÖKO°L16/3 1994 S.32ff)

Über den tatsächlichen Herkunftsort des Schmetterlings lassen sich aber leider noch keine gesicherten Angaben machen; daß die Motte mit ihrem Wirt bereits vor der Eiszeit lebte, erscheint außerdem als unwahrscheinlich, denn warum sollte sie sich dann erst jetzt ausgebreitet haben?

Der Entstehungsort der heutigen Population, liegt aber mit größter Wahr-scheinlichkeit am Ohrider See in Mazedonien, wo der Schädling auch entdeckt wurde (vgl. 2.1.).

3.2 Vorgang der Verbreitung

Wie in 2.4. berichtet, erfolgte die Verbreitung der Kastanie im 15./16. Jahr-hundert durch einen österreichischen Botaniker, ein ausgeprägter Befall von Kastanien ist aber erst seit 12 Jahren bekannt. Bezüglich der Massenvermehrung, die seither stattfand, gibt es mehrere Thesen: zum einen konnte z.B. durch den Kraftfahrzeugverkehr "verseuchtes" -also befallenes- Laub über Ungarn und Österreich nach Deutschland gebracht worden sein. Dies wäre eine durchaus ernst zu nehmende Möglichkeit, da die Motte zwar sehr leicht ist und relativ große Flügel besitzt, wodurch sie leicht "vom Wind verweht" werden könnte, aber daß sie dabei eine solch große Strecke (ca. 1100 km) und außerdem in einer solchen Masse von Tieren zurückgelegt hat, ist sehr unwahrscheinlich. Außerdem erfolgte die Verbreitung bemerkenswerter-weise entlang von Fernstraßen, wie von Dr. Heitland beobachtet wurde.

Zum anderen wird aber auch gemutmaßt, daß der Schädling bei Versuchen von bestimmten österreichischen Wissenschaftlern "ausgebrochen", oder sogar ausgestetzt worden sein könnte, diese These ist aber völlig unbestätigt.

Das Verbreitungsgebiet erstreckte sich, zum Zeitpunkt der Verfassung dieser Arbeit, vom ehemaligen Jugoslawien über Ungarn, Österreich, Tschechien, Slowakei, teilweise Polen, Schweiz und Deutschland.

In Deutschland erfolgte die Verbreitung hauptsächlich von Bayern aus. Sie reicht momentan bis an die deutsch-französische und die deutsch-belgisch/niederländische Grenze. Auch in Berlin und Hamburg wurde die Motte schon gesichtet. (Ergebnis von Gesprächen mit Dr. Heitland)

3.3 Zukunftsprognose bezüglich der Verbreitung

Da bereits in der Vergangenheit eine so sprunghafte Vermehrung des Schädlings beobachtet werden konnte, ist ein weitere Ausbreitung durchaus zu erwarten. Dies ist besonders dadurch zu begründen, daß fast keine natürlichen Feinde der Miniermotte (wie bei anderen Arten: z.B. Parasitoide, also Schmarotzer, die einen Parasit als Wirt benutzen) existieren.

Es ist sogar zu befürchten, daß befallenes Laub über die Nordseehäfen (z.B. unbeabsichtigt auf Containern) nach Übersee "exportiert" werden könnten. Damit wären auch amerikanische Kastanienarten (wie z.B. die gelbe Pavie) von der Motte bedroht. Ob aber andere Kastanienarten tatsächlich gefährdet sind, ist noch unerforscht.

Ich habe selbst bereits eine gelbe Pavie im Dörnbergpark in Regensburg untersucht und ich habe dabei festgestellt, daß dieser Baum völlig unbefallen ist.

4 Untersuchung der Befallsituation der Roßkastanien Regensburgs

Dieser Gliederungspunkt enthält die Ergebnisse meiner Untersuchungen.

4.1 Methodik der Untersuchung

Untersucht wurden im Spätsommer, bzw. Herbst 1998, 269 weiß- und 33 rotblühende Roßkastanien im Innenstadtbereich Regensburgs.

Dieser Bereich umfaßt den Alleengürtel (Villapark, Ostenallee, Fürst-Anselm-Allee, Dörnbergpark, Stadtpark und Herzogspark) und den darin eingeschlossenen Stadtkern (dabei besonders: Schillerwiese, Herrenplatz, Holzlände, Donaumarkt, Donaulände, etc.). Außerdem wurden der Untere und der Obere Wöhrd (mit Inselpark), sowie einige Biergärten -außerhalb der genannten Bereiche- miteinbezogen.

Bei der Erfassung der Kastanien wurden mehrere Punkte besonders berücksichtigt:

Allem voran natürlich, um welche Kastanienart es sich handelte (rot- oder weißblühend). Dies ließ sich ziemlich zweifelsfrei feststellen, da sich beide Arten in einigen Punkten stark unterscheiden.

So besitzen die Blätter der rotblühenden Roßkastanie ein weitaus dunkleres und kräftigeres Grün, als ihre weißblühenden Verwandten.

Auch fühlen sich die Blätter der rotblühenden Art "vollfleischiger" an, d.h. sie sind fester und dicker, als die der weißblühenden Kastanie.

Die Rinde von rotblühenden Kastanien ist zudem glatter als die von weißblühenden und besitzt einen leicht silbrigen Glanz.

Ein anderes eindeutiges Merkmal zur Unterscheidung ist die Fruchtschale:

Bei den weißblühenden Kastanien besitzt sie bekanntlich Stacheln und ist relativ kugelförmig, wohingegen die rotblühende "Kastanienvariante" keine Stacheln besitzt und eher elipsenförmig erscheint. (Anhang S. 27, [Abb. 4])

Außerdem wurde untersucht, ob überhaupt ein eindeutiger Befall durch Camerari ohridella festzustellen war. Dies war besonders deshalb erforderlich, da bei ungenauer Untersuchung der Mottenbefall leicht mit einem Befall durch einen Blattbräunepilz verwechselt werden hätte können. Um eine solche Verwechslung auszuschließen, wurden einzelne Blätter der untersuchten Bäume exemplarisch auf Minen, die durch die Motte verursacht wurden, untersucht und dabei wurden sie gegen eine Lichtquelle (z.B. Sonne) gehalten, um sich in den Minen befindliche Larven, Puppen, oder Kotkrümel von diesen, sichtbar zu machen. (vgl. 2.2.)

Jeder Baum wurde zudem in eine Schadstufe eingeteilt. Diese wurde durch den prozentualen Anteil von befallenen Blättern an der gesamten Blattmasse ermittelt, welcher wiederum durch Augenschein festgesetzt wurde.

Somit werden mit der Schadstufe 0 nur völlig unbefallene Kastanien be-zeichnet. (Dies war bei keiner weißblühenden, aber bei zwei rotblühenden Kastanien der Fall.)

Die Schadstufe 1 entspricht einem nur leichten Befall. (Unter 10% der Blatt-masse war befallen - bei drei weißblühende und den restlichen rotblühenden Kastanien [31] zutreffend).

Wenn 10- 25% der Blätter befallen waren, wurden die Bäume in Schadstufe 2 eingeteilt. (42 Weißblühende)

Stark befallene Kastanien (25- 70% der Blätter befallen) wurden in die Schadstufe 3 eingeteilt. (208 weißblühende Roßkastanien)

In Schadstufe 4, die praktisch einem vollständigem Befall entspricht (bzw. über 70%), wurden 15 weißblühende Roßkastanien eingeteilt.

Neben dem prozentualen Anteil der befallenen Blattmasse an der Gesamtblattmasse, wurde bei der Einteilung in eine Schadstufe auch die Zahl, bzw. die Größe von Gemeinschaftsminen (vgl. 2.3.) miteinbezogen. Kastanien, die also in der eigenlichen Beurteilungsmethode (siehe oben) in einer bestimmten Schadstufe waren, deren befallene Blätter aber außerordentlich stark befallen waren (Anhang S. 28 u. 29, [Abb. 5 u. 6]), wurden in eine Zwischenstufe zur nächsthöheren Schadstufe eingeteilt. Waren beispielsweise bei einem Baum ca. 60% der Blattmasse befallen und wiesen zudem die befallenen Blätter eine sehr hohe Minendichte auf, so wurde der entsprechende Baum in Schadstufe 3-4 eingeteilt. Für die Untersuchung der Blätter konnten nur solche entnommen werden, die sich in "greifbarer" Höhe befanden, aber auch eine Diagnose der Befallsdichte bei Blättern in der oberen Kronenschicht war durch eine Fotokamera mit Objektiv möglich (Anhang S. 30 u. 31, [Abb.: 7 u. 8]).

Damit der Vergleich von befallen Bäumen auf einer Karte trotzdem noch relativ leicht zu berwerkstelligen war, wurden die Schadstufen selbst zusätzlich in Klassifizierungen eingeteilt:

Tab. 1:

Schadstufe:

entspricht der Klassifizierung:

0

unbefallen

1; 1-2

gering befallen

2; 2-3

mäßig befallen

3; 3-4

stark befallen

4

vollständig befallen

Beim anschließenden Vergleich der unterschiedlich stark befallenen Bäume, wurde jeweils nach dieser Klassifizierung gearbeitet.

Zusätzlich zur Schadensfeststellung wurden Auffälligkeiten bezüglich des betreffenden Baumes, wie z.B., ob dieser ein Einzelbaum ist, oder in einer Gruppe von Artgenossen oder Bäumen anderer Art steht, oder ob er an einer viel befahrenen Straße steht, oder ob das herunterfallende Laub entfernt wird, etc., notiert.

Auch das Alter der Bäume wurde geschätzt (unter zu Hilfenahme von Bäumen deren Alter bekannt war, wie z.B. derer im Dörnbergpark) und festgehalten.

Im Rahmen der Untersuchung wurden die befallenen Bäume in einen Stadtplan eingetragen. Außerdem wurden die daraus ersichtlichen Befallszentren auf eine Folie übertragen, mit Hilfe welcher die Intensität des Befalls im Bezug auf Meßwerte von Schadstoffbelastungen ein Vergleich gezogen werden konnte.

4.2 Zusammenhang von Alter der Bäume und Befallsintensität

Das Alter der Bäume wurde wegen eines vermuteten und teilweise gesicherten Zusammenhangs von Alter und Vitalität, Größe (Höhe) und von einer dem entsprechenden eventuellen Bevorzugung eines Baumes einer bestimmten Altersgruppe durch die Kastanienminiermotte, untersucht.

4.2.1 Bei weißblühenden Roßkastanien

Die 269 untersuchten weißblühenden Roßkastanien wurden in drei Altersgruppen eingeteilt:

Gruppe 1: 0- 20 Jahre

Gruppe 2: 21- 80 Jahre

Gruppe 3: über 80 Jahre

(Anhang S. 32 - 34, [Abb. 9 - 11])

Dabei stellte sich heraus, daß sich in der Innenstadt 70 Bäume, die der Gruppe 1 und 57 Bäume, die der Gruppe 2 angehören, befinden.

Gruppe 3 macht mit 142 Bäumen den größten Anteil von Bäumen aus.

Die Gruppen bauten sich wie folgt auf:

Tab. 2:



Befallsintensität:

Gruppe 1:

Gruppe 2:

Gruppe 3:

unbefallen:

0

0

0

gering befallen:

0

1

2

mäßig befallen:

16

9

17

stark befallen:

52

45

112

vollständig bef.:

2

2

11

Zum besseren Vergleich der Befallsstruktur wurden dazu Diagramme erstellt.



Bei diesem Altersvergleich sind einige Auffälligkeiten bemerkenswert:

Völlig unbefallene weißblühende Roßkastanien treten nicht auf.

Außerdem dominieren die stark befallenen Bäume in allen (Alters-) Gruppen, besonders bei den über 80jährigen Kastanien.

In Gruppe 1 treten 3% vollständig befallene, 74% stark befallene (bei einem Durchschnitt von 77%) und mit 23% mäßig befallenen (bei einem Durchschnitt von 15%) besonders viele Bäume dieser Schadstufe auf (Anhang S. 42). Da also im Vergleich zu den anderen Altersgruppen, weniger stark, dafür mehr mäßig befallene Bäume zu finden sind, könnte man vermuten, daß Kastanien aus Gruppe 1 nicht so intensiv befallen werden. Dies wird aber durch die Nichtexistenz von völlig unbefallenen Bäumen unterhöhlt.

In Gruppe 2 sind (wie in Gruppe 1) 3% der Bäume vollständig befallen, 79% sind stark, 16% mäßig und 2% gering befallen (Anhang S. 43). Daß sich in dieser Altersgruppe gering befallene und noch dazu verhältnismäßig wenig vollständig befallene Bäume befinden, erscheint positiv. Um die Aussage, diese Kastaniengruppe sei also schwächsten befallen, unterstreichen zu können, hätten aber mehr mäßig und weniger stark befallene Kastanien auftreten müssen. Somit kann auch bei dieser Gruppe ein Zusammenhang von Alter und Befall nicht eindeutig festgestellt werden.

Gruppe 3 beinhaltet mit 8% die meisten vollständig befallenen Bäume. Auch stark befallene Bäume treten mit 79% - also einem hohen Prozentsatz - auf.

Im Vergleich zu den anderen Gruppen sind hier die wenigsten mäßig befallenen Bäume (12%) zu finden. Dies alles deutet darauf hin, daß Bäume dieser Altersgruppe durchschnittlich am stärksten befallen sind. Doch auch dieser Trend ist nicht eindeutig, denn es treten immerhin 1% gering befallene Kastanien auf. (Anhang S. 44)

Diese Beobachtungen zeigen, daß aus dem Alter der weißblühenden Bäume nicht zwangsläufig auf einen entsprechenden Befall geschlossen werden kann und somit müssen (vermutlich) viele Faktoren, die die Befallsstärke beeinflussen zusammenspielen.

Bemerkenswert ist auch eine weitere Beobachtung, die in diesem Zusammenhang gemacht wurde: In Kastaniengruppen, in denen ältere und jüngere Bäume nahe beieinander stehen, ist der Befall von Jungbäumen fast immer weniger stark, als derjenige der älteren Bäume. (vgl. Unterer Wöhrd, Stadtpark, Ernst Reuter Platz, ...). Daraus könnte man schließen, daß jüngere Kastanien zwar (wegen der Nachbarschaft befallener, älterer Bäume) befallen werden, dieser Befall aber weniger stark ist, da die Vitalität der Jungbäume besser ist. Denn diese jüngeren Bäume werden beispielsweise im Sommer gegossen und anscheinend sehr aufwendig gepflegt, was einen Abbau von Streßfaktoren bewirkt.

Somit erscheint die Annahme, daß sich Motten auf Bäumen entsprechender Altersgruppen unterschiedlich gerne vermehren, durchaus als realistisch, damit diese Annahme aber gesichert ist, müßten weitere Befallserfassungen vorgenommen werden.

4.2.2 Bei rotblühenden Roßkastanien

Auch bei dieser Kastanienart wurden Untersuchungen, die sich auf das Alter beziehen, unternommen. Die rotblühenden Kastanien wurden, wie ihre weiß-blühenden Artgenossen, in Altersgruppen eingeteilt:

Gruppe 1a 0- 20 Jahre

Gruppe 2a 21- 70 Jahre

Da aber in Regensburg nur acht zur Gruppe 1a gehörige und 25 zur Gruppe 2a gehörige Bäume zu finden waren und diese Gruppen beide aus jeweils einem unbefallenem und sieben, bzw. 24 gering befallenen Bäumen bestanden, lassen sich im Bezug auf das Alter und den Befall bei dieser Kastanienart (ähnlich wie bie ihren weißblühenden Verwandten) keine gesicherten Angaben machen.

Daß prozentual der unbefallene Baum in der Gruppe 1a stärker ins Gewicht fällt, ist ersichtlich (Anhang S. 45 - 47), aber da es sich eben nur um einen Einzelbaum handelt, könnte es auch Zufall sein, daß bereits unter acht Bäumen im Vergleich zu 24 Bäumen ein unbefallener zu finden ist.

Bemerkenswert ist natürlich, daß rotblühende Kastanien weitaus weniger stark, also entweder gar nicht (2 Stück), oder nur gering (31 Stück), befallen werden. Im Gegensatz dazu, treten bei den weißblühenden Kastanien (wie berichtet) keine unbefallen, nur sehr wenig (3 Stück) gering befallene, 42 mäßig befallene, 208 stark befallene und sogar 15 vollständig befallene Roßkastanien auf. (Anhang S. 48)

4.3 Zusammenhang von Pflege der Bäume und Befallsintensität

Die Pflege eines jeden Baumes, aber insbesondere die Pflege von befallenen Kastanien ist wohl eine Hauptaufgabe um eine Baum gesund zu erhalten, oder um seine Genesung zu fördern.

Die Bäume in Regensburgs Parkanlagen werden gehegt und gepflegt, durch fachgerechtes zurückschneiden, stützen von alten erhaltenswerten Bäumen, etc.. Doch bei einer befallenen Kastanie genügt dies leider nicht, wie man an Bäumen, die sich in den Parkanlagen befinden und meist stark befallen sind, sehen kann.

Wie aus den Tabellen zu entnehmen ist (Tab. 2, S. 12), wurden in Regensburg aber auch drei gering und 42 mäßig befallene Kastanien gefunden.

Sämtliche gering befallenen Kastanien standen in (zwei) Biergärten (Kneitinger Garten, Goldene Ente), wo das herabfallende Laub ständig und sehr sorgfältig entfernt wird. Auch die mäßig befallenen Bäume befanden sich in Biergärten (Bischofshof, Thomasbräu Bürgerstuben, Chaplin), auf dem jüdischen Friedhof und am Kinderspielplatz im Stadtpark, oder an anderen Stellen, an denen der Boden unter den Bäumen offensichtlich immer wieder sehr sauber vom Laub befreit wurde.

Diese Beobachtungen lassen den Schluß zu, daß Laubentfernen, welches aber akribisch und konsequent erfolgen muß, anscheinend eine Verringerung, oder eine Verhinderung starken Befalls bedeutet, denn mit dem Laub werden auch die Brutstätten und das Winterlager der Motten entfernt.

Diese Theorie unterstützt auch, daß bei besonders stark befallenen Kastanienbäumen stets Laub, das am Boden lag und nicht entfernt wird, entdeckt wurde.

Beispiele dafür sind die vollständig befallenen Kastanien am Platz der Einheit, am Oberen und Unteren Wöhrd, etc. Dort wurde das Laub entweder einfach nicht entfernt ( aus Bequemlichkeit?, vgl. Garten am Oberen Wöhrd), oder eine Entfernung war wegen dem starken Unterbewuchs (Buschwerk) bei den Bäumen (vgl. Platz der Einheit) praktisch unmöglich.

Festzuhalten ist also, daß das Entfernen von Laub, sofern es möglichst bald nach seinem Abfallen und äußerst penibel erfolgt, durchaus Wirkung, d.h. einen weniger starken Befall, nach sich zieht.

4.4 Zusammenhang von Umwelteinflüssen und Befallsstärke

Ein solcher Zusammenhang wurde untersucht, da in Österreich (u.a. von Gerfried Deschka) die Behauptung aufgestellt wurde, daß sich durch verschiedenen Streßfaktoren, wie Verkehrs- und Großstadtimmissionen, Groß-stadtklima, etc., bei den Kastanien eine Resistenzverminderung einstellt, die die Bäume widerstandslos den Minierern aussetzen würde. (vgl. ÖKO°L 16/3 1994, S.33/34).

Um diesen Punkt besser bearbeiten zu können, wurden die Kastanienbefalls- zentren auf eine Folie übertragen (vgl. 4.1.), die mit dem Maßstab von Folien von Fr. Dr. Dittmann und Hr. Goppel übereinsprach, in welchen Schadstoffkonzentrationen und Angaben über Temperatur und relative Feuchte, kartiert sind. Dadurch konnte beim Übereinanderlegen der Folien ein Zusammenhang der entsprechenden Faktoren und des Befalls sofort erkannt und belegt oder widerlegt werden. (Diese Folie liegt der Arbeit gesondert bei.)

Problematisch war allerdings, daß die Schadstoffkarten einen Maßstab von etwa 1:65000 hatten, wodurch nicht mehr Einzelbäume, sondern nur noch Zentren von befallenen Bäumen eingetragen werden konnten, von denen die Plazierung leider nur grob erfolgen konnte.

4.4.1 Schadstoffimmissionen

Unter dem Begriff Schadstoffimmissionen wurden bedeutende, schädliche Abgase zusammengefaßt. Ausgewählt wurden solche, die z.B. von Autos stammen können, denn für die auffällig vielen vollständig befallenen Bäumen an stark befahrenen Straßen wurde eine Erklärung gesucht.

4.4.1.1 Schwefeldioxid (SO2)

Zwischen dem Schwefeldioxidgehalt und der Befallsstärke ist durchaus eine Proportionalität festzustellen. So liegen die stark und die vollständig befallenen Kastanien in Gebieten wo der Schwefeldioxidgehalt 30 - 96,3 t/ km2 beträgt.

Die Zentren der gering und mäßig befallene Kastanien lagen dahingegen in Gebieten mit 28 - 33,4 t/km2, also einem durchschnittlich weniger hohem Schwefeldioxidgehalt. (Anhang S.49, Abb. 3.25)

4.4.1.2 Stickstoffdioxid (NO2)

Ein Zusammenhang mit diesem Schadstoff und dem Kastanieminiermottenbefall konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden, da die vorhandene Karte zu ungenau war. (Anhang S. 50, Abb.4.11.a)

4.4.1.3 Stickstoffmonoxid (NO)

Zwischen der Konzentration von Stickstoffmonoxid und der Höhe des Befalls besteht offensichtlich eine direkte Proportionalität:

Während sich im Bereich von 0-20% mäßig stark befallenen Kastanien befinden, befinden sich im Bereich von 20-40% nur noch vereinzelt mäßig, dafür aber viele stark und einige vollständig befallenen Kastanien. Weitere Bäume, die in einem Bereich von 60-80% stehen, sind ausschließlich stark oder vollständig befallen. (Erläuterung: 100% = 0,2 mg NO / m3 )

(Anhang S. 51, Abb. 4.9a)

4.4.1.4 Klimatische Faktoren

Die klimatischen Faktoren sollten untersucht werden, da die Vermutung bestand, daß sich z.B. eine erhöhte Luftfeuchtigkeit auf die Kastanien positiv auswirken könnte, denn diese würde beispielsweise eine ausreichende Wasserversorgung fördern.

4.4.1.5 Relative Feuchte

Die Angaben die hierzu vorlagen waren zu ungenau um eine Aussage treffen zu können. (Anhang S. 52)

4.4.1.6 Verteilung der Temperatur

Es gab bezüglich der vorhandenen Karten Maßstabsschwierigkeiten, eine ausreichend genaue Untersuchung war nicht möglich. (Anhang S. 53)

4.4.2 Natürliche Indikatoren von Schadstoffen (Beispiel Flechten)

Flechten können je nach Art und Auftreten, Indikatoren für saubere oder belastete Luft sein, deshalb wurde der Flechtenbestand in der Innenstadt Regensburgs in einen Bezug zu den befallenen Kastanien gesetzt. Leider konnten hierbei keine Parallelen entdeckt werden. (Anhang S. 54)

4.5 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse

Bei der Untersuchung, die einen Zusammenhang von Alter der Bäume und Befallsintensität beinhaltet, können einige interessante Tendenzen festgestellt werden: so scheinen die weißblühenden Kastanien im Alter von 20-80 Jahren im Durchschnitt am schwächsten, die Kastanien im Alter von 0-20 Jahren etwas stärker und die über 80jährigen Bäume am stärksten befallen zu sein. Es traten aber auch einige Bäume auf die nicht in dieses Schema passen. Bei den rotblühenden Kastanien konnte durch diese Untersuchung zwar kein Bezug von Alter und Befall festgestellt werden, aber dafür konnte aufgezeigt werden, daß diese Art weit weniger stark von den Miniermotten befallen wird.

Um in Hinsicht auf Alter und Befall eine eindeutige Regel aufstellen zu können, müßten jeweils Bäume mit gleichem Umfeld und gleicher Pflege, aber unterschiedlichem Alter verglichen werden, denn daß sich zwar Tendenzen zeigen, diese aber nicht eindeutig sind, läßt darauf schließen, daß viele Faktoren an der Befallsstärke teilhaben könnten.

Dies wurde auch durch die Untersuchung eines vermuteten Zusammenhangs von Pflege und Befallsintensität der Kastanien bestätigt. Im Gegensatz zum Alter, ließen sich aber aus dieser Untersuchung eindeutige Schlüsse ziehen.

Wie in 4.3. erläutert wurde, sind gerade die angeblich so heftig bedrohten Biergartenkastanien (siehe Einleitung!) am wenigsten von einem (starken) Befall durch die Motte gefährdet. Denn die lästige Pflicht, das Laub täglich von Tischen und Bänken sowie vom Boden der Biergärten zu entfernen zeigt eine sehr große (Neben-) Wirkung: der Befall sinkt rapide, bzw. kann gar nicht erst ausgeprägt auftreten. Dies konnte auch dadurch bestätigt werden, daß praktisch unter allen stark oder vollständig befallenen Bäumen mit Minen durchsetztes Laub gefunden wurde.

Ähnlich wie die Pflege, zeigen auch Umwelteinflüsse durchaus eine Wirkung auf die Befallsintensität, aber leider eine negative.

So sind in Gebieten mit hohem Schwefeldioxidgehalt viel stärker befallene Kastanien zu finden, als in einem Gebiet mit einem niedrigeren Gehalt dieses Gases. Die Erkenntnis, daß Schwefeldioxid von Haus aus eine negative Aus-wirkung auf Bäume hat, ist außerdem in Zusammenhang mit dem saureren Regen bekannt und unterstützt also die gemachte Beobachtung.

Bei Stickstoffdioxid ist im Gegensatz zum Stickstoffmonoxid kein eindeutiger Zusammenhang von Schadstoffgehalt und Befallsstärke festzustellen, doch dies könnte mit den nicht ausreichend genau zur Verfügung stehenden Meßdaten zusammenhängen.

Beim Stickstoffmonoxidgehalt ist nämlich eine direkte Proportionalität zum Befall festzustellen: mit der Erhöhung des Schadstoffgehalts steigt die Befallsstärke. Dieses Gas entsteht hauptsächlich bei der Verbrennung von Ottokraftstoff, was wiederum die vielen vollständig befallenen Bäume, welche sich an stark befahrenen Straßen (wie Dr. Martin Luther Str., oder Platz der Einheit) befinden, erklärt.

Die Untersuchung von klimatischen Faktoren (wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur), bei welchen ebenfalls eine Parallele zu den befallenen Kastanien vermutet wurde, scheiterte an den unzureichend vorhandenen Meßwerten.

Dafür konnte aber nachgewiesen werden, daß zwischen dem Flechten- und dem Mottenbefall keine Parallelen bestehen, obwohl solche durchaus denkbar gewesen wären.

Beim Begutachten dieser Ergebnisse ist zu berücksichtigen, daß sich die von 1979 und 1984 (bei den Flechten: 1997) stammenden Meßdaten mittlerweile verändert haben könnten. Dies könnte beispielsweise mit der Einführung des Katalysators, der den Schadstoffausstoß bei Pkws senkt, zusammenhängen.

Nur mit aktuellen Meßdaten könnten sämtliche Thesen und Erkenntnisse zweifelsfrei bestätigt werden.

5 Vorbeugung und Bekämpfung der Kastanienminiermotte

In diesem Kapitel sollen die wichtigsten, bisher bekannten Maßnahmen gegen den Schädling aufgezeigt werden.

5.1 Chemische Bekämpfung

Unter der chemischen Bekämpfung versteht man die Bekämpfung des Schädlings durch Insektizide und Pestizide. Solche wurden auf verschiedene Art und Weise angewandt.

5.1.1 Dimilin und Alsystin

1995 wurden in Österreich, nachdem im vorherigen Jahr ein so starker Befall von Kastanien herrschte, daß bereits im Juli und August ein fast vollstandiger Laubfall einsetzte (vgl. FOS. Ak. 21, 1997, S16f), erste Versuche mit Insektiziden gestartet.

Den größten Erfolg hatte man mit Dimilin 25WP (Diflubenzuron) und mit Alsystin (Trifumuron). Diese Präparate "sind Chitinsynthesehemmer mit Fraß- und Kontaktwirkung und mit einer Wirkung bereits auf das Eistadium und die Eilarven" (Ebd. S. 16). Das heißt, daß sie in den Chitinstoffwechsel von Raupen eingreifen und deren Häutung verhindern, was zum Tod der Puppen oder zu nicht lebensfähigen Adulten führt. (vgl. Ebd.).

Diese Insektizide wurden ausgewählt, da sie für Nicht-Zielorganismen als weit-gehend schonend gelten. Die Anwendung der Substanzen erfolgte mit einer Hochdruckspritze mit Spritzschlauch, mit der ca. 12,5l Wasser-Insektizid-Lösung auf die Versuchsbäume verteilt wurden (Konzentration Dimilin: 0, 04%; Konzentration Alsystin: 0,06%). Diese Applikation muß aber zum korrekten Zeitpunkt erfolgen, der durch ermitteln des Flugbeginns der ersten Generation, was mit Hilfe von Pheromonfallen funktioniert, gefunden werden kann. (vgl.FOS.akt. 21, 1997, s.16f)

Es wurde erwiesen, daß durch eine einmalige Behandlung, ein wirksamer Schutz über eine gesamte Saison hinweg gegeben ist.

Probleme bei dieser chemischen Bekämpfung bereiten vor allem die Wirt-schaftlichkeit (hohe Kosten) und Durchführbarkeit (alle Blätter müssen von oben und vor der Eiablage besprüht werden) und außerdem, daß die angewendeten Mittel in Deutschland noch nicht, oder nicht mehr, zugelassen sind.

5.1.2 Confidor

Im Gartenbauamt der Stadt Regensburg wurden 1996 erste Versuch mit dem Insektizid Confidor, das wie Dimilin und Alsystin eine Kontakt- und Fraßwirkung hat, von Fr. Dr. Feemers durchgeführt. Dieses Präparat wird mittels Stamminjektion angewandt, d.h. die Borke der Versuchsbäume wird angebort und die Bohrlöcher werden mit 3ml Wasser-Confidor-Lösung (80mg a.i./ ml) aufgefüllt, die die Bäume aufsaugen.

Es zeigten sich erst bei der dritten Larvengeneration Erfolge, d.h. optisch war eine weniger starke Befallsentwicklung festzustellen.

Problematisch bei dieser Applikationsart ist allerdings, daß nicht gesichert ist, daß dieses Verfahren auch bei alten Bäumen mit dicker Borke noch angewendet werden kann, denn die Versuchsbäume waren ausschließlich junge Bäume.

Außerdem ist an dieser Schädlingsbekämpfunsmaßnahme zu bemängeln, daß den Bäumen Verletzungen zugefügt werden müssen und daß die Behandlung nur mäßige Erfolge nach sich zieht und jedes Jahr wiederholt werden muß (was aber bei den anderen beiden chemischen Mitteln, also Alsystin und Dimilin, auch der Fall ist).

5.2 Biologische Bekämpfung

Unter der biologischen Bekämpfung ist die Art der Bekämpfung zu verstehen, die aus der Förderung und gegebenenfalls Zucht und Auswilderung von natürlichen Feinden der Kastanienminiermotte besteht.

Dies wäre wohl eine für die Umwelt sehr gut verträgliche Methode, da dabei lediglich ihre eigenen Regulationsgrössen unterstützt werden.

Neben diesem Teilbereich gehört zur biologischen Bekämpfung auch die Unterstützung des betroffenen Wirts, d.h. eine Vitalitätsförderung desselben.

Die natürliche Bekämpfung eines Schädlings (dabei speziell erstgenannte Methode, also mit natürlichen Feinden) besitzt das beste Kosten- /Nutzenverhältnis, da nach einer Auswilderung eins natürlichen Regulations-faktors (z.B. Parasitoid), in der Regel keine weiteren Kosten entstehen.

5.2.1 Parasitoide

Die Gruppe der Parasitoide umfaßt Insekten, die ihre Eier in oder an anderen Insekten ablegen. Die anschließend aus den Eiern schlüpfenden Junglarven ernähren sich von ihren Wirten. Parasitoide tragen zur Regulation von Phytophagen (Pflanzenfresser) bei, da sie oftmals dichteabhängig reagieren, d.h. je mehr Wirtstiere, desto mehr Parasiten und umgekehrt. Sie können somit verhindern, daß Phytophagen höhere Dichten erreichen.

Circa 30% aller Insekten leben parasitoidisch.

Bei der Gruppe der Miniermotten treten gewöhnlich Parasitierungsraten zwischen 60% und 80% auf. (Laut Dr. Heitland)

Die Kastanienminiermotte macht hier leider eine Ausnahme: sie wird nur etwa zu 2-3% parasitoiert und dabei meist von Erzwespen. (vgl. FOS.ak. 21,1997, S. 30/31). Weshalb Cameraria ohridella hier eine Ausnahme macht, wäre dadurch zu erklären, daß die Kastanie selbst ein Fremdling in unserer Flora und bisher kaum von Schädlingen heimgesucht wurde und daher fehlen den Parasitoiden entsprechende Suchverhalten. Außerdem ist auch die Kastanienminiermotte, da sie selbst erst seit kurzer Zeit in unseren Breiten zu finden ist, für heimische Parasitoide sowieso noch unbekannt.

Es ist also zu hoffen, daß andere Parasitoide trotzdem zu diesem neuen, potentiellen Wirt überspringen, oder daß im tatsächlichen Ursprungsort der Motte, der noch nicht gefunden wurde (vgl. 3.1.), die natürlichen Feinde des Schädlings entdeckt, vermehrt und bei uns ausgewildert werden können.

5.2.2 Andere natürliche Feinde

Bei der Untersuchung der Kastanienminermotte wurde mir von Ornitologen eine interessante Beobachtung geschildert: Vögel und dabei insbesondere Meisen, scheinen in den Larven, bzw. den adulten Motten, eine neue Nahrungsquelle entdeckt zu haben.

Dies wäre weiter zu verfolgen und falls diese Beobachtung vermehrt gemacht werden kann, wäre es vernünftig, den entsprechenden Vogelarten, die die Motte dezimieren, in der Nähe befallener Bäume Nistmöglichkeiten zu schaffen.

5.2.3 Spezialdüngung ("Verfahren Saller")

Diese Bekämpfungsmethode der Kastanienminiermotte beruht auf der (begründeten, vgl. 4.3.) Vermutung, ein gesunder Baum wäre gegen Schädlinge weniger anfällig.

Somit wird vor einer Behandlung des Baumes eine Vitalitätsmessung durchge-führt, bei der die Stoffe Phenol & Tanin und Ethyl & Methyl-jasmonat, die die Abwehr und die Warnsysteme steuern, ermittelt werden.

Dies ist erforderlich, da, wenn erkannt wird, daß diese Werte nicht in Ordnung sind, durch ein spezielles Flüssigdüngungsverfahren in diese Steuerungsmechanismen regulierend eingegriffen werden kann.

Vor der Anwendung werden Bodenproben gezogen, um für jeden Baum einen individuell passenden Düngermix herstellen zu können.

Dieser Düngermix sorgt für eine optimale Nährstoffversorgung des Baumes.

Die beste Wirkung wird nach 3 Jahren erzielt.

Nachteil dieser Methode sind mögliche Verbrennungen der Blattorgane und der hohe Aufwand beim Ziehen der Proben und beim Herstellen des Düngers.

Da die Kastanien meist weit verbreitet sind, ist die Behandlung außerdem sehr zeitraubend und teuer. (vgl. FOS. Akt., 1997, Nr. 21, S.32)

5.3 Bekämpfung durch elektrotechnische Verfahren

Die Firma Tron Austrian Elektronics Handels GesmbH, Wien, hat eine Art Antennengebilde entworfen, das einen Wirbel kosmischer Energie erzeugt.

Diese Energie dient dazu, Informationen an das Wasserversorgungssystem der Bäume weiterzuleiten und so die Attraktivität der Kastanienblätter für Miniermotten drastisch zu veringern. (vgl. FOS. Akt. 21, 1997, S. 33)

Bei dieser Methode ist anzumerken, daß dazu (noch) keine wissenschaftlichen Analysen vorliegen, die eine Wirkung bestätigen könnten. Auch der Aufwand an jedem Kastanienbaum eine oder mehrere "Antennen" zu montieren, ist sehr hoch und sehr kostspielig.

Zu vermuten ist außerdem, das die Optik der Bäume gestört werden könnte.

6 Schluß

Ich hoffe durch diese Analysen und durch meine Untersuchung viele Unklarheiten, die die Miniermotte betreffen und beispielsweise durch die Presse aufgezeigt werden, beseitigt zu haben.

Es sollte deutlich geworden sein, daß gerade die "Biergartenkastanien" am wenigsten stark von einem starken Befall bedroht sind. Außerdem, daß dieser neue Schädling durch viele, verschiedene Faktoren, z.B. bei der Suche nach Wirtsbäumen, beeinflußt wird.

Als wirksame Maßnahme gegen die Motte, will ich nochmals den Lesern gründliche Laubentfernen empfehlen, wobei das gesammelte Laub entweder verbrannt, oder durch Abdecken mit einer 10cm dicken Erdschicht (unter der Fäulniswärme entsteht) von den Motten befreit werden kann.

Dies ist die einzige Maßnahme, die von allen Kastanienbesitzern wirkungsvoll und kostengünstig angewandt werden kann.

Es bleibt zu hoffen, daß sich die Natur selbst hilft, indem sich Parasitoide ausbreiten, oder daß hier der Mensch, durch eine Auswilderung solcher, regulierend eingreifen kann.

Abschließend möchte ich mich bei Dr. Heitland, Hr. Goppel und Hr. Hanske, sowie dem Stadtgartenamt Regensburg und dem Stadtgartenamt Wien für das mir zur Verfügung gestellte Informationsmaterial danken.

Nicht zuletzt gilt mein Dank auch meinem Betreungslehrer Hr. Schmidt, der mir beratend zur Seite stand und mir ermöglichte, dieses aktuelle Thema zu bearbeiten.

7 Bildteil


Abb. 1: geöffnete Mine mit Larve


Abb. 2: Gemeinschaftsmine


Abb. 3: Gemeinschaftsmine


Abb. 4: stachellose Fruchtschale einer rotblühenden Roßkastanie


Abb. 5: minendurchsetztes Blatt einer weißblühenden Roßkastanie


Abb. 6: weniger stark miniertes Blatt einer weißblühenden Roßkastanie

8 Literatur

  1. Abendzeitung, 24.07.98

  2. Forstschutz Aktuell, Nr. 21, Juli 1997, Ausgabe Rosskastanienminiermotte, Bezugsquelle: Forstliche Bundesversuchsanstalt - Bibliothek Seckendorff-Gudent Weg 8, A-1131 Wien

  3. Internet: http://www.fh-weihenstephan.de/va/bot_ps/merkblat/kastanie.htm

    http://www.forst.uni-muenchen.de/LST/ZOO/HEITLAND/PROJECTS/CAMERARIA/biologie01.html

  4. ÖKO°L 16/3, 1994, S. 32ff

  5. tz, 24.07.98

(Die Literaturangaben können leider nicht genauer gemacht werden, da sie teilweise Auszüge von Artikeln, die Dr. Heitland gesammelt hat, sind und mir keine genaueren Quellenangaben vorliegen.)

Weitere Informationen zur Kastanienminiermotte stammen aus Gesprächen mit: