

Diese Facharbeit erzielte im Kollegstufenwettbewerb 1997/99 im Bereich Kunst den zweiten Preis
Allgemeine Hintergründe des Burgenbaus
Die Oberpfalz - das "Burgenland Bayerns"
Bauausführung der Oberpfälzer Burgen
Wohnen auf der Burg - mehr schlecht als recht
Die Rolle der Frau auf der Burg
Kallmünz - frühgeschichtlicher Abschnittswall und Burgruine
Loch -die Höhlenburg über der Schwarzen Laaber
Donaustauf - der Burgberg und die stolze Ruine
Persönliche Stellungnahme zum Thema
"Wow, ein interessantes Thema!"
Kallmünz - Loch - Donaustauf: Warum ich mich für diese Burgen entschied
Schwierigkeiten, Ärgernisse und was mir den letzten Nerv raubte
Mit dem einführenden Titel macht die Oberpfalz hinsichtlich ihrer Bauwerke ihrem Namen alle Ehre: rund 70 Burgen stehen, bzw. standen einmal in dem Gebiet zwischen Gäuboden und Fichtelgebirge.
Das Umland der ehemaligen Reichsstadt Regensburg weist rund 70 dieser sogenannten 'festen Häuser' auf, wobei es sich hier hauptsächlich um Burgen des Mittelalters handelt. Ein nennenswerter Grund für den regen Burgenbau im Regensburger Umland, sowie in der gesamten Oberpfalz sind zweifellos die vorteilhaften geographischen Bedingungen: hoch gelegene Bergplateaus, riskante Sumpfgebiete oder Höhlen bieten sich für den Bau einer Wehranlage an. Tiefe Gräben, hohe Palisadenwälle oder auch nur einfache Steinmauern dienten schon in der Vor- und Frühgeschichte zum Schutze des eigenen Lebens und Eigentums. Darüber hinaus trugen sie hilfreich zur Verteidigung gegen Feinde bei und übernahmen zudem als mehr oder weniger sichere Zufluchts- und Unterschlupfstätten eine wichtige Zweitfunktion.
Oftmals errichtete man Ringwälle und Steinmauern auf schwerzugänglichen Bergkuppen - Bauwerke, die heute den Namen 'Wallburgen' tragen. Die Burgen Donaustauf oder Kallmünz sind treffend Beispiele einer Wallburg. Sie dienten in erster Linie als Zufluchts- und Verteidigungsort, weshalb sie nur zeitweise in Gefahren- und Kriegssituationen aufgesucht und bewohnt wurden. Aufgrund dieser Zufluchtsfunktion trug man diesen Bauwerken auch den Namen 'Fliehburgen' zu.
Obgleich die meisten der Oberpfälzer Burgen der Gattung der Wallburgen angehören, zeigen sich doch sichtliche architektonische Unterschiede aufgrund der variierenden geographischen Bedingungen, d.h. der Form des Geländes, Art und Beschaffenheit des Bodens, Witterung, Lage usw.
Auch die Bedeutung der Burg - dient sie zur Verteidigung oder als Wohnsitz, als Zufluchtsort bei Gefahr oder nur als Verhandlungsgebäude zur Klärung politischer und kirchlicher Fragen ? - beeinflußt ihre Architektur.
Als Wehranlage weist das Gebäude sicherlich standhaftere Mauern, Verteidigungsvorrichtungen wie Sturmpfähle oder zahlreiche geheime Ausgänge auf, wohingegen bei Gebäuden, die politischen Verhandlungen dienten, diese Aspekte zum großen Teil eine geringere Rolle spielten. Die Verteidigung und die Sicherheit sind wohl im Bezug auf jeden Burgtyp wichtige Voraussetzungen für einen (zeitweiligen) Aufenthalt jeder Art, weshalb alle Burgen vier Grundelemente gemeinsam haben: die das Gebäude umgeben - die Mauer, das Burgtor, der zur Verteidigung errichtete Turm und das zum
Wohnen ausgestattete Haus. Von größter Wichtigkeit war hier der Turmbau, d.h. der Bau des Bergfrieds(8), der aufgrund besonderer Mauerstücke feindliche Angriffe am längsten überdauern sollte. Nach der Mitte des 12. Jahrhunderts wurden sowohl der Bergfried, als auch der Palas(10) unter Verwendung von massiven Buckelquadern errichtet, um den Bewohnern optimalen Schutz zu gewähren. Diese Quader mußten vor ihrer Verwendung intensiv bearbeitet werden und an allen vier Seiten sorgfältig geglättet werden. War die Statik des Bauwerkes etwa aufgrund der Bodenverhältnisse gefährdet, so hatte der Bauherr auch die Möglichkeit, den Mauersockel durch lange, horizontal eingefügte Hölzer zu stärken (sog. Maueranker).
Auch hier wird wieder die Doppelfunktion vieler Burgen deutlich: sie waren zum einen "bewohnbare Wehrbauten", zum anderen aber "wehrhafte Wohnbauten"1.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde diese Doppelfunktion jedoch hinfällig, denn sie wurde aufgrund der Erfindung der Feuer- und Geschützwaffen aufgeteilt:
Die Wehr- und Verteidigungsfunktion übernahm nun die Festung,die Wohnfunktion übernahm das Schloß. Dieser Gesichtspunkt stellt letztendlich das Ende des Burgenbaus dar: Verteidigung und Wohnen sollten voneinander getrennt werden. Der Schlösserbau begann,zur Verteidigung wurden mächtige Festungen errichtet.
In den Worten Josef Fendls, dem in Neutraubling wohnhaften Heimatpfleger und Burgenforscher, läßt sich zusammenfassend sagen:
"Burgen waren feste Stützpunkte im mittelalterlichen Ordnungsgefüge, die gleichermaßen der Sicherung des Landes als auch der Beherrschung und Verwaltung des eigenen (Gerichts-) Bezirkes dienten ".2
Zur besonders guten Verteidigung wurden, wie bereits erwähnt, geographische Vorteile genutzt. Die Errichtung einer Wehranlage auf einem schwer ersteigbaren Bergsporn oder einer steilen Felsenklippe, der Ausbau einer Höhle zur Wehr -und Wohnanlage (Burg Loch) oder der Bau einer Burg auf einer Insel reichen jedoch nicht aus, um sich ausreichend verteidigen zu können. Zunächst war weiterhin eine strategische Auswahl des Baugrundes notwendig. Hier mußten Faktoren wie die Größe des geplanten Bauwerkes, die Zugänglichkeit und Verkehrsnähe, Geld- und Zeitaufwand und Witterung in die baulichen Planungen miteinbezogen werden. Mit der Entscheidung für einen bestimmten Baugrund ergab sich nun die Aufgabe, diesen für den Bau vorzubereiten:in Sumpfgebieten mußte der Boden trockengelegt werden, unebene Flächen mußten durch Holzplattformen eingeebnet werden (sog. Pfahlroste), für die Fundamente mußten Gräben ausgehoben werden, Brandrodungen sollten unbrauchbaren Baum- und Strauchbewuchs beseitigen.
Waren die Probleme der Auswahl des Standortes bewältigt, stellte sich die Frage nach den Baumaterialien. Hier war die sorgfältige Auswahl besonders wichtig, waren sie doch hauptsächlich verantwortlich für die Beständigkeit und Stabilität der Burg.
Alte Pläne und Entwürfe zeigen, daß in den oberen Geschossen und Räumen einer Burg oft Holz, vor allem Hartholz verarbeitet wurde. Holzplatten und Balken, meist fein verarbeitet oder beschnitzt, zierten hier häufig Wände und Decken, schlichte massive Hölzer aber dienten zur Stabilisierung des Bauwerkes. Harte, massive Hölzer fanden jedoch auch Verwendung in der Errichtung des Fundaments und des Sockels des geplanten Baus, zudem in der Herstellung der mächtigen Burgtore und weiteren Elementen der Verteidigungsanlage.
Das Dach wurde zumeist mit Stroh oder Schindeln gedeckt, später auch mit Ziegeln. Für Mauern und Torbögen verwendete man hauptsächlich Bruch- und Hausteine, Granitbruchquader mit stark gebuckelten, gewölbten Oberflächen (sog. Rohbuckelquader) oder die bereits erwähnten glatt behauenen Buckelquader, die, an Ecken, Kanten und Torbögen ein-gebaut, die Stabilität erhöhen, aber auch das Auge des Betrachters erfreuen sollten. Palas und Bergfried hingegen wurden aus diesen Gründen meist komplett aus diesen Buckelquadern erbaut. Der Bergfried sollte optisch durch Höhe und Umfang auffallen, aber den Besucher, bzw. den Betrachter zum einen durch seine Mächtigkeit, zum anderen durch fein bearbeitete Materialien beeindrucken. Nicht ohne Grund erhebt sich der Turm drohend und erhaben über die gesamte Burganlage. Er diente im Falle eines Angriffs immer als letzte Zufluchtstelle und mußte deshalb besonders stabil sein. Vermutlich ist jedem Heimatfreund der eindrucksvolle Turm der Höhlenburg Loch bei Eichhofen bekannt- nicht zuletzt durch die Brauerei Eichhofen, deren Flaschenetiketten geziert sind von den Umrissen des Bergfrieds der Ruine.
Eine ausreichende Widerstandskraft der Mauern wurde zudem durch die Wahl eines geeigneten Bindemittels erzielt. In hoch- und spätmittelalterlichen Burgen war vor allem die Verwendung von Kalkmörtel üblich: lehmfreier Sand, sechs Jahre eingesumpfter, gelöschter Kalk und größte Sorgfalt in der Verarbeitung waren besonders wirkungsvolle Prinzipien im Mauerbau. Zum normalen Mischverhältnis konnten weitere Zuschlag und Bindemittel zugegeben werden, wie Ziegelmehl oder Protein (etwa in Form von Buttermilch, Magermilch oder Eiern), sowie Kohle oder Tierhaare.
Oberstes Gebot neben einer geeigneten Lage und der Sicherheit des Bergfrieds war die Solidität der Ringmauer(26) und Zwingermauer(46), die verstärkt wurde durch hervorstehende Türmchen, sog Basteien(7), durch den Torbau(34) und den Torturm(35). Ab dem 16. Jahrhundert etwa waren aufgrund der Erfindung der Schußwaffen nun zusätzliche Zwingeranlagen und Mauern nötig, wie sie z.B. Donaustauf besaß, um dem Gebäude verstärkten Schutz zu bieten.
Die Stärke dieser Abwehrmauern war abhängig von dem Zweck, den sie erfüllen sollten. Die einfachen inneren Mauern hatten einen Durchmesser von 80cm - 145cm (z.B. 100cm Durchmesser der Palas-Mauern von Donaustauf), wohingegen die äußeren Mauern meist einen größeren Durchmesser aufwiesen.
Neben den Wohngebäuden (z.B. Palas, Dürnitz(13) u.s.w.) war der Bau einer Kapelle ein weiteres 'Muß' in Sachen Architektur der damaligen Zeit, zumal in unserem Landkreis viele Bauwerke Eigentum des Regensburger Bischofs waren.
In kleineren Burgen war die Kapelle in den Palas integriert, jedoch lediglich meist als kleiner Altar oder als kleine Nische. Auch die wichtigste Burg des Regensburger Bischofs, Donaustauf, läßt sogar noch heute als Ruine den Prunk und die Prächtigkeit in Form der Säulen und Bögen der ehemaligen Kapelle sichtbar werden. Die Wandmalereien sind jedoch infolge der Witterung im Laufe vieler Jahre fast ganz verschwunden (siehe Abb. links)
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Abb. Grundriß der Kapelle zu Donaustauf |
Ehemalige Wandmalereien aus der Burgkapelle Donaustauf |
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Aus "Die Kunstdenkmäler im Königreich Bayern", Band II, Buch XX, Bezirksamt Stadtamhof, Verlag Oldenbourg, München 1914 |
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Andere Burgen, wie z.B. Brennberg oder Laaber wiesen eigene Kapellen auf, die nicht in anderen Gebäuden situiert waren. Neben den bereits genannten Gebäuden, die bei allen Burgtypen gleichermaßen vertreten sind, gibt es zahlreiche weitere räumliche Unterteilungen, die den Dienstleuten, Mägden, Knechten und dem Vieh dienten.
Zur näheren Erläuterung
habe ich ein "Porträt einer Burg" erstellt, indem die
wichtigsten Bestandteile der gesamten Burganlage dargestellt und
durch Numerierung erklärt werden:

Das Leben auf einer mittelalterlichen Burg ist schwer zu schildern, zumal die Lebensverhältnisse vom jeweiligen Burgentypus und vor allem vom jeweiligen Jahrhundert abhängen. Im Laufe der Jahre haben sich mit neuen Erfindungen und verbesserten Bauweisen die Lebens- und Wohnbedingungen selbstverständlich verbessert. Darüber hinaus kamen auch den verschiedenen Bevölkerungsschichten unterschiedliche Stufen des Komforts zu: Natürlich genoß der Hochadel einen besseren Lebensstil als der Nieder- oder Kleinadel. Geistliche und weltliche Fürsten und freilich die Krone standen an der Spitze der Luxuspyramide, wohingegen der arme Landadel ganz unten einzuordnen war.
Josef Fendl hat zweifelsfrei recht, wenn er zitiert:
"Das Leben auf der Burg ist hart, vor allem für jene, die es nicht seit ihrer Kindheit gewöhnt sind. Bei Hofe leidest Du Hunger, mußt auf einem sehr harten Lager liegen und auf alle Annehmlichkeiten verzichten..." ."Die Burg selbst, mag sie auf dem Berg oder im Tal liegen, ist nicht gebaut, um schön, sondern um fest zu sein... Überall stinkt es nach Pulver, dazu kommen die Hunde mit ihrem Dreck, eine liebliche Angelegenheit, wie sich denken läßt und ein feiner Duft!"3 (Wernher der Gärtner, um 1280/Ulrich von Hutten, um 1518)
Diese Aussagen zeigen uns, daß das Leben auf einer Burg in erster Linie unbequem war und unseren heutigen eher romantischen Vorstellungen zum größten Teil widerspricht. Hier sind zunächst die Räume des Bau werks zu nennen und zu beschreiben:
In den meisten Gebäuden der Burganlage herrschte finstere Düsterkeit, da nur kleine oder oft auch gar keine Fenster vorhanden waren. Dies hat einen einfachen Grund: große Fenster hätten zwar viel Licht eingelassen, jedoch waren sie v.a. im Winter schwer gegen Kälte, Schnee und Regen abzudichten. Fensterglasscheiben wurden erst relativ spät erfunden.
Um das Problem mit der Dunkelheit umgehen zu können, einigte man sich auf Fackeln und Öllampen, die jedoch nur qualmendes, stinkendes Licht spendeten. Darüber hinaus war es vor allem im Winter in den meisten Räumen bitterkalt. Nur wenige Zimmer waren durch einen Kamin zu beheizen, somit galten sog. Kemenaten(20) oft als Luxus. Sie wurden meist den Frauen, insbesondere natürlich der Königin, bzw. der Burgherrin überlassen. Jedoch waren diese Räume, deren Name sich von dem lateinischen Wort 'caminata' für Kamin ableitet, auch bis zum späten 12. Jahrhundert eine Seltenheit.
In anderen Räumen, die nicht beheizbar waren, lebten oft viele Menschen auf engsten Raum, oftmals hausten auch Feder -und Kleintiere wie Hühner und Kaninchen mit ihnen. Der Grund hierfür war die Nutzung der gegenseitigen Wärme, die von den Mitbewohnern -sei es nun Mensch oder Tier- abgegeben wurde. So konnte im Winter zumindest ansatzweise die eisige Kälte bekämpft werden- natürlich zum Nachteil des guten Geruchs, denn der ging in engen Burgräumen mit kleinen oder gar keinen Fenstern, dafür aber mit vielen Bewohnern, selbstverständlich verloren.
Auch das Mobiliar der Burg war relativ einfach. Knecht und Mägde hatten sich teilweise zum Schlafen mit Stroh zu begnügen, bestenfalls wurden ihn-en leichte Felle zur Verfügung gestellt.
Gespeist wurde an einfachen Tafeln, wobei man auf hölzernen Klappstühlen saß. Zum Teil existierten reichlich verzierte Holzsessel, geschmückt mit aufwendigen Schnitzereien, jedoch blieben sie ausschließlich dem Burgherrn vorbehalten. Dinge des Alltags, wie z.B Holz -oder Zinnteller (sofern diese überhaupt benutzt wurden), bewahrte man in hölzernen Truhen oder in extra mit Holzbrettern ausgestatteten Wandnischen auf.
Der Palas und vor allem der Rittersaal machten eine Ausnahme im Bezug auf die Raumausstattung. Zwar waren auch hier die Möbel schlicht, jedoch waren diese Räume geziert von Säulen, Kapitellen und Umrahmungen an Decke und Wänden. Desweiteren befanden sich hier mehrfach gekuppelte Fenstergruppen, durch die viel Licht ins Innere gelangen konnte. Noch heute kann man das mittelalterliche Flair verspüren, wenn man in mitten der alten Gemäuer der Burgruine zu Kallmünz das Sonnenlicht durch die vielen mit Säulen verzierten Fenster scheinen sieht.
In der Mitte des Raumes befand sich oft der Kamin oder auch später der Kachelofen, der -abhängig von den finanziellen Mitteln des Burgherrn mehr oder weniger verziert war. Besonders vornehme Hallen wiesen zudem oft hölzerne Emporen auf, auf denen die Musikanten zu bestimmten Feierlichkeiten aufspielten. Hier wird zweifellos die Präsentationsfunktion des Palas oder des Rittersaals gegenüber Gästen oder Verhandlungspartnern deutlich.
Die sanitären Einrichtungen und die Hygiene auf mittelalterlichen Burgen ließen zu wünschen übrig und können nach heutigen Maßstäben geradezu als unzumutbar bezeichnet werden. Ein treffendes Beispiel sind hier die Aborterker -provisorische Vorgänger unserer heutigen Toiletten. Baden war jedoch auch schon im Mittelalter eine beliebte Angewohnheit, die geradezu celebriert wurde. Deshalb waren Badestuben- oder Häuser sehr bekannt und beliebt. Verschwitzt von der Jagd oder anderen Aktivitäten wurden der Burgherr und seine Gäste zunächst in die Badestube geführt und von Bademägden bedient und mit frischen Kleidern versogt, ehe man sich zur Gesellschaft in den Saal begab.
Hier, bzw. in der Halle wurde auch gespeist. Ausgeschlossen waren hier jedoch die Knechte und Mägde - sie mußten in der Küche oder einem anderen Außenbau ihre Mahlzeiten zu sich nehmen. Zur Essenszeit wurden die gedeckten Tische vom Personal in den Saal getragen. Gegessen wurde - abhängig von den finanziellen Möglichkeiten des Burgherrs - von Schüsseln und Tellern aus Zinn, zu besonderen Anlässen hielten wohlhabendere Gastgeber auch Geschirr aus Silber oder sogar Gold parat.
Während des gesamten Hochmittelalters waren besonders Becher und Schalen aus Glas eine wirkliche Kostbarkeit, vor allem wenn sie zudem verziert waren durch edle Gravuren oder feine Gold -oder Silberfäden. Im Gegensatz zu den edlen Eßservicen des oberen Standes waren die Eß- und Trinkgefäße des Personals und untersten Diener aus schlichtem Holz gefertigt. Gegessen wurde, was aus der Ernte und zudem aus der Jagd hervorging. Und auch hier wird wieder klassenmäßig unterschieden: hatten sich die Bauern und Untertanen mit Rüben, Kohl, Brot, Wasser usw. zu begnügen, so blieben feine Speisen und vor allem Fleischgerichte dem Adel vorbehalten. Jedoch würden sich nach heutigen Ansichten Diätköchen unserer Tage die Haare sträuben: viel Fleisch, wenig Vitamine, intensive Gewürze- so lassen sich die Hauptkriterien der mittelalterlichen Eßgewohnheiten kurz und bündig zusammenfassen.
Gut Essen und Trinken hielten zwar Leib und Seele zusammen, jedoch wurden Met und Wein nicht unbedingt nach dem heutigen Reinheitsgebot zubereitet, wodurch sie zu eher aggressiven Nebenbegleitern wurden.
Anders verhielt es sich mit dem beliebten Gerstensaft. Bier war neben Wasser das beliebteste Getränk. Darüber hinaus standen auch Knechten und Mägden pro Tag mindestens 1 Liter (!) Bier zu, ein 'Privileg', auf das keiner gerne verzichtete. Es scheint, als wäre in der damaligen Zeit wirklich mehr gegessen und vor allem getrunken worden - natürlich auch aufgrund der höheren körperlichen Anstrengungen.
Zur Erholung nach anstrengenden Tätigkeiten oder zum körperlichen Ausgleich widmete man sich zum einen der Jagd, an der auch Frauen und der Burgkaplan teilnahmen. Zum anderen verbrachte man ruhige Abende am Kamin, mit verschiedenen Brett -oder Aktionsspielen, wie z.B. Schach oder Blinde Kuh- Spiele, die bis heute sehr beliebt sind.
Untermalt wurden solche Abende gerne von Minnesängern, die musikalisch von den Geschehnissen, die sich draußen in 'der weiten Welt' zugetragen hatten, berichteten. Verwendete Musikinstrumente waren hier Lauten, Fiedeln, Flöten, Schalmeien, Pauken, Trompeten, Schellen und Trommeln.
Auch Akrobaten und Narren waren bei höfischen Veranstaltungen gern gesehene Gäste, die ihr Publikum durch Turn- und Jongliereinlagen bei Laune hielten.
Beneidenswert wären sie gewesen, die 'holden Burgfräulein'... -jedoch nur nach unseren heutigen Vorstellungen. Das romantische Bild der umschwärmten Burgherrin, um die turniert und gekämpft, über die gesungen und gedichtet wurde, wird heute von schroffen Tatsachen widerlegt.
Genauer gesagt war die damalige Realität wesentlich frauenfeindlicher ,vor allem wenn man das politische und gesellschaftliche Mitspracherecht und das Sexualleben betrachtet. Schon von Kindesbeinen an wurden den Mädchen von der Geistlichkeit oberste Keuschheit, Schamhaftigkeit und Moral gepredigt, deren oberstes Ziel, bzw. höchste Form die unerfüllte Liebe war. Der berühmt-berüchtigte 'Keuschheitsgürtel' steht also heute als Symbol für die in allen Bereichen eingeschränkten Rechte der Frauen der damaligen Zeit.
Um auf den Vorbehalt der politischen Mitsprache zurückzukommen, so ist hier eine Ausnahme nennenswert .Wegen der körperlichen Defizite gegenüber den Männern, d.h. dem schlankeren und somit meist schwächeren Körperbau, konnten die Frauen zum Ausgleich Lesen und Schreiben lernen und genossen oftmals einen höheren Bildungsstand als ihre Gatten. Wenn sie es also geschickt anstellten, konnten viele Frauen diesen Vorteil gegenüber ihren Männern nutzen und sie unbewußt in ihren politischen Entscheidungen beeinflussen.
Darüber hinaus hatte die Frau verschiedene äußerliche Funktionen zu erfüllen, durch gepflegtes Aussehen (hierzu zählte auch langes Haar!) und majestätisches Auftreten hatte die Burgherrin die Aufgabe, zum einen die Gäste optisch zu bereichern, zum anderen sollte sie ihren Ehemann in der Öffentlichkeit repräsentieren. Hier wird insbesonders die Präsentationsfunktion der Frau deutlich.
Neben diesen Aufgaben hatte die Rittersfrau in erster Linie den Haushalt zu führen und zu organisieren. Dazu zählten Spinnen, Weben, Stricken und Nähen genauso wie vereinzelte Tätigkeiten im Burggarten (für die schwereren und für eine Burgherrin nicht angemessenen Arbeiten hatte man natürlich seine Knechte und Mägde).
Für die Arbeiten im Inneren der Burg, vor allem aber für die Handarbeiten, bei denen die Frauen saßen und sich wenig bewegten, wurden selbstverständlich beheizte Räume benötigt. Ob es hierbei spezielle 'Frauengemächer' gab, die nur von den weiblichen Burgbewohnern genutzt wurden, ist bis heute nicht gänzlich erwiesen.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, daß die individuelle Persönlichkeitsentfaltung einer Frau abhing von ihrem Charakter und ihrer Intelligenz, aber natürlich auch von der Toleranz ihres Mannes ihr gegenüber.
Die Frau war jedoch in jedem Falle abhängig von ihrem Gatten und war ihm somit -in gewissem Maße- auch Untertan.
Auch hier ist in erster Linie zu erwähnen, daß romantisierende Vorstellungen unserer Zeit das Bild des Ritterstandes weitgehend der Realität entrückt haben. Die unzähligen Geschichten von Robin Hood oder Prinz Eisenherz mögen zwar begeistern, stellen aber lediglich eine Art Heldentum dar, das es in der bitteren Realität wohl eher selten gab.
Der Ritterstand, sozialpolitisch sehr vielschichtig, kann als Bindeglied zwischen Hochadel und Bauernstand betrachtet werden: der Ritter ist zum einen seinem hochadeligen Herrn, bzw. dem Bischof unterstellt, fungiert aber gleichzeitig als Lehnsherr über ihm unterstellte Bauern. Sein Handeln kann somit als "Dienen in Freiheit"4 bezeichnet werden.
Diese Freiheit bezieht sich jedoch in hohem Maße auf den ritterlichen Hochadel, da der ländliche Ritteradel häufig Aufgaben der ihm zum Teil unterstellten Bauern übernehmen mußte: Viehzucht und Viehhandel, der Ertrag der Felder und der Milchwirtschaft waren Pflichten der niederen Ritter. Für landsässige Ritter war Geldmangel, v.a. in wirtschaftlichen Krisenzeiten deshalb keine Seltenheit. Im 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich neben dem Landadel der stadtgesessene Geschlechteradel, der in seinen Stadtburgen (auch in Regensburg!) geradezu höfisch lebte. Bereits in der Kindererziehung war das Leben des angehenden Ritters durch diverse Rechte und Pflichten bestimmt. Diese besondere Art der Erziehung läßt sich in sieben Stufen einteilen und trägt deshalb auch den Namen 'Sieben-Schritt'. Im Alter von sieben Jahren hatte der Junge die elterliche Burg zu verlassen,um als Page auf einer benachbarten Burg zu dienen. Zwischen 14 und 18 Jahren galt er als Knappe, anschließend als Edelknecht, der das Reiten und den Umgang mit Waffen ebenso erlernte, wie die Dicht -und Sangeskunst. Mit 21 Jahren erfolgte schließlich der Ritterschlag, der zum Zeichen besonderer Verdienste auch mehrmals im Leben eines Ritters erteilt werden konnte.
Eng vertraut mit dem Ritterschlag, auch 'Schwertleite' genannt, war das glanzvolle, jedoch nicht ungefährliche Waffenspiel und die Erprobung der Waffentüchtigkeit. Diese sogenannten 'Turniere' waren stets große höfische Anlässe, und stellten sowohl für die aktiv agierenden Personen zu Pferde, als auch für das adelige Publikum auf den Tribünen wahre "hochgeziten"5 (Hoch-Zeiten) dar.
Bei der Erziehung zum Ritter wurde auf verschiedene Dinge besonders großer Wert gelegt. Diese Besonderheiten nennen sich ' Die sieben ritterlichen Künste '. Exzellentes Beherrschen dieser Künste machte einen guten Ritter aus.
Zu den Ritterkünsten zählten Schießen, Reiten und Jagen (Falkenbeize), 'sportliche' Fähigkeiten wie Klettern und Schwimmen, aber auch Ringen und Fechten. Von großer Wichtigkeit war auch das Turnieren, genauso wie die Fertigkeit, ein guter Gesellschafter zu sein (Schachspiel, Dichten, Tanzen...).
Neben diesen sogenannten Ritterkünsten existierten ferner zahlreiche 'Rittertugenden', die typisch waren für eine gute höfische Erziehung. Diese Tugenden basierten vorwiegend auf ritterlicher Ehre und umfaßten verschiedene moralische Bereiche: staete (Beständigkeit und Zuverlässigkeit in der Verwirklichung der ritterlichen Pflichten), triuwe (Treue gegenüber dem Herrn), hövescheit (höfisches Betragen), mâze (Mäßigung in allen Lebensbereichen) und hôher mout (Sich bemühen um Vollkommenheit).
Diese obersten Tugenden befähigten den Ritter zur Erfüllung seiner wahren Aufgaben: zum erbitterten Kampf gegen das Unrecht, zum Schutz der Schutzlosen und der absoluten Treue gegenüber dem eigenen Herrn und natürlich der Kirche. Diese Geisteshaltung war vor allem maßgeblich in der düsteren Zeit der Kreuzzüge, die vom 11. bis ins 13. Jahrhundert halb Europa in kriegerische Konflikte verwickelten. Die Kreuzzüge der Jahre 1096, 1147 und 1189 nahmen ihren Anfang in Regensburg. Zahlreiche Regensburger Bürger und Ritter fuhren zu dieser Zeit auf der Donau gen Osten ins Heilige Land. Im Verlauf dieser Glaubenskriege bildeten sich auch die zum Teil heute noch existierenden Ritterorden, wie z.B. der der Johanniter. Diese Orden entstanden wohl aus karitativen Gründen und vereinigten das Bild des tapferen Ritters mit dem des gütigen Mönches.
Eine weitere Auswirkung der Kreuzzüge war die Ausbreitung des Minnegesangs in Deutschland, da vor allem die süddeutschen Ritter Bekanntschaft machten mit französischen Standesgenossen. Dieser Kontakt ermöglichte eine Vermischung der kulturellen Interessen und ein Erlernen der Thematik des Minnesangs von den fränzösischen Troubadours.
Zahlreiche Recherchen ergaben zudem, daß die sogenannten 'Wappen' (das Wort leitet sich ab von Waffen) ebenfalls in der Zeit der Kreuzzüge entstanden. Die heutigen Erkenntnisse der Heraldik (Waffenkunde) besagen, daß verschiedene Bilder oder Sprüche im Kriege dazu dienten, die eigenen Mannen oder den Feind in der Schlacht zu erkennen. Aus diesem Grunde waren die Wappen meist am Schild oder am Helm des Ritters, d.h. gut sichtbar, angebracht.
Am Zusammenfluß von Vils und Naab ragt auf dem "Schloßberg" über Kallmünz die stolze Burgruine empor. Zahlreiche Touristen, Heimatfreunde und auch Künstler werden Jahr für Jahr von den alten Gemäuern angezogen. Zahlreiche Geheimnisse jedoch bleiben dem 'bloßen' Betrachter verborgen, denn archäologische Funde beweisen, daß der Höhenrücken weit mehr verbirgt, als auf den ersten Blick zu erkennen ist.
Eine großflächige Wallanlage zieht sich im Norden von Kallmünz über den Schloßberg und den Kirchberg. Diese gesamte Wallanlage umfaßt ein Gebiet von rund 50 ha und kann nicht eindeutig datiert werden. Bisherige Untersuchungen lassen jedoch darauf schließen, daß die Außenbefestigung am ehesten aus der Urnenfelder -oder Jüngeren Latènezeit6 stammt.
Im Süden wird der Bergsporn durch einen inneren, kleineren Wallring abgegrenzt. Dieser ist über 200 m lang und besteht teilweise nur aus schrof-fen Geländekanten. In diesem Wallzug vermutet man eine ungarnzeitliche Wehranlage. Hier bleibt festzuhalten, daß keine dieser Anlagen in der historischen Überlieferung eindeutig als Werk gegen die Ungarn bezeichnet wurde, jedoch ist historisch nachzuweisen, daß der Eichstätter Bischof im Jahre 908 um die königliche Erlaubnis bat, Befestigungen gegen die Einfälle der Heiden (=Ungarn) errichten zu dürfen. Ob die Errichtung des Ungarnwalles jedoch wirklich auf bischöfliche Initiative zurückgeht, ist nicht gesagt.
Zahlreiche archäologische Funde ergaben außerdem, daß ein Teil der Anlage bronzezeitlich besiedelt war. Der sogenannte "Ungarnwall" grenzt die heute so eindrucksvolle Burgruine ein, die rund 100 m über dem Markt Kallmünz schon von Weitem zu sehen ist. Die Ringmauer ist im Norden und Nordwesten durchzogen von drei Halbrundtürmen, sog. Basteien. Der nördliche Teil des Mauerrings weist heute nur noch einen Zwinger auf. Im Westen endet der Bering mit einem halbrunden Türmchen, im Osten hingegen führt er zum ehemaligen Torhaus. Ein grabenähnlicher, jedoch weniger tiefer Erddamm umgibt die Anlage.
Im Inneren des Rings zentriert, findet man den heute noch knapp 20 m hohen, runden Bergfried, der aus massiven Mauersteinen erbaut wurde.
Das Eingangstor befand sich seiner Zeit rund 10 m über dem Erdboden an der Südseite des Turmes. Die hochgezogenen Mauern im südlichen Teil der Anlage lassen noch heute den zweigeteilten Palas sichtbar werden, der interessante Architekturdetails wie z.B. die gekuppelten Rundbogenfenster, aufweist. Direkt vor der Nordmauer des Palas befindet sich die brunnenartige Zisterne. Nach Osten an die Außenmauer schließt die Burgkapelle an, die einst mit einer Westempore ausgestattet war.
Eine konkrete Datierung der Burg ist bis heute leider nicht möglich, man vermutet jedoch, daß sie im 13. Jahrhundert, im Zeitalter der Gotik, erbaut wurde, worauf spätromanische Elemente bei Palas und Bergfried hinweisen. Außerdem fehlen für frühere Jahrhunderte typische Bausubstanzen, wie z.B. der im 12. Jahrhundert häufig verwendete Buckelquader. Zudem weist die Anlage charakteristische Merkmale des Burgenbaus des 13. Jhdts. auf: sie besteht aus Ringmauer, Bergfried und Palas mit integrierter Kapelle.
Im Jahre 1188 erwarben die Wittelsbacher die Anlage über die Grafen von Sulzbach. Der Bauplatz war zweifellos aufgrund hervorragender wirtschaftlicher und geographischer Bedingungen gewählt worden: zum einen wurde dem Feind ein Angriff durch die steilen Hänge erschwert. Zum anderen war das Gebäude handelsbezogen perfekt situiert, denn Vils und Laaber boten sich als Transportwege von Handelsgütern an. Diese verkehrsgeographischen Vorzüge der Burg zeigen sich auch in einer Kaiserurkunde von 1230, nach der Kallmünz um diese Zeit Reichszollstätte gewesen sein muß.
1329 wird im Vertrag von Pavia festgelegt, daß "burch und marcht"7 Kallmünz als zusammengehöriger Wittelsbacher Besitz betrachtet werden sollen. Jedoch schon im Jahre 1344 war Ludwig der Bayer im Friedensvertrag mit Regensburg gezwungen, verschiedene 'vestten', darunter auch Kallmünz zu verpfänden. Die Burg bleibt jedoch nicht in den Händen der Regensburger, sondern wird am 20.März 1347 an den Landgrafen von Thüringen, und nur eine Woche darauf an den Landgrafen von Hessen verpfändet.
In der nachfolgenden Zeit blieb die Burg pfälzisch, bis Herzog Albrecht III die Anlage im Jahr 1459 wieder für Oberbayern erwerben konnte. Im Jahre 1504 begann mit dem Landshuter Erbfolgekrieg der Niedergang der Burg Kallmünz. Pfälzische und böhmische Truppen steckten die Festung angeblich in Brand.
Im Dreißigjährigen Krieg schließlich wurde die Burg 1641 von den Schweden eingenommen und zerstört. In all den Jahren wurde sie bis heute nicht wieder aufgebaut, jedoch setzte man sich seit dem angehenden 19. Jahrhundert für den Erhalt der Ruine ein.
Die Burg Loch im Labertal stellt neben der Burg Stein bei Trostberg eine Besonderheit unter den bayerischen Wehrbauten des Mittelalters dar.
Wie schon der Name anklingen läßt, zählt die Burg Loch zu den sogenannten Höhlenburgen. Diese Burgen verbergen die Wohnräume, wie z.B. den Palas im Inneren eines Berges. Nur der Bergfried liegt sichtbar im Außenbereich. Auch in Loch verrät nur der runde Turm die Burganlage, die sich hinter einer Felswand über der schwarzen Laaber verbirgt.
Die eigentliche Burganlage entstand um die Zeit des 12. Jahrhunderts, jedoch wurden die Höhlen bereits vorher bewohnt. Archäologische Funde ergaben, daß die natürlich entstandenen Gemäuer und Gänge bereits in der Altsteinzeit von Menschen als Behausung genutzt wurden.
Im 12. Jahrhundert schließlich erbaute Ritter Werner von Rammelstein zu Loch die Burganlage.
Eine Fläche von rund 150 Quadratmetern umfaßt der größte Raum der sog. "Burg im Fels"8 Die meisten Räume und Mauern sind inzwischen verfallen, jedoch kann man die Eingangshöhlen auch heute noch betreten und sich von den brüchigen Mauerresten faszinieren lassen. Es existierte auch eine Quermauer, die den inneren Teil der Burg, also die Wohntrakte, vom Außenbereich abtrennte. Diese Mauer diente wohl zum Schutz gegen Eindringlinge und ist heute noch teilweise erkennbar. Durch Luft -und Lichtschächte an der Decke, aber auch durch Fenster an der Stirnwand und durch Felsenschlitze gelangte ausreichend Sauerstoff und Sonnenlicht in die beiden Höhlen, in denen man die Wohnräume errichtete. Diese wurden ausgemauert und die Wände anschließend mit Holz verschalt. Relativ gut, bzw. am besten erhalten ist zweifellos der Bergfried, der bis vor einigen Jahren gekrönt war von zwei Nadelbäumen. Diese wurden jedoch entfernt, da ihre Wurzeln das Mauerwerk und den Erhalt des Turms gefährdeten. Der Bergfried besteht aus vier Stockwerken, wobei sich der Eingang an der Bergseite in ca. 8 m Höhe befindet. Ebenfalls bis heute vorhanden ist der Aborterker, der zur Talseite hin am Turm angebracht wurde.
Nach historischen Überlieferungen gehörte die Burganlage bis 1555 den Herren von Rammelstein (oder auch Rummelstein), gelangte dann aber in die Hände der Familie von Sauerzapf. Seit dem Jahre 1719 gehörte die Burg dem Kloster Karthaus Prüll in Regensburg an und ging nach der Säkularisation in den Besitz des Bayerischen Staates über.
Heute ist die Ruine im Besitz des Freiherrn von Braunbehrens.9

Donaustauf
- Stich von Matthäus Merian, ca. 1644
Rund 100 m über dem Donautal erhebt sich die Burgruine Donaustauf auf einem Bergkegel. Der Burgberg entstand durch die Abtragung des aufgefalteten kristallinen Grundgebirges. Zum größten Teil besteht er aus Granitstein und wird umlagert von Ausläufern der Südflanke des Bayerischen Waldes.
Der Name "stouf" tritt noch heute sehr häufig im Bezug auf Ortsnamen im süddeutschen Bereich auf. Er stammt aus dem Althochdeutschen und bezeichnet einen Fels oder Berg in der Gestalt eines Kegelstumpfes.
Grabungen an der unteren Vorburg im Jahre 1981 ergaben, daß der Burgberg bereits im 5. und 6. Jahrhundert v. Chr. von den Kelten besiedelt wurde. Künstlich angelegte Erdwälle können durch verschiedene Keramikfunde ca. um 500 v. Chr. datiert werden. Leider kann über die nachfolgenden Jahrhunderte und die Besiedelung des Berges in dieser Zeit nichts ausgesagt werden, da archäologische Untersuchungen keine beweisführende Funde für eventuelle Vermutungen lieferten.
Erst im 10. Jahrhundert n. Chr. wird die Burg Donaustauf wieder ins historische Rampenlicht gerückt. Als "castellum quod dicitur Stufo"10 wird sie in einer Niederschrift bezüglich des Güteraustausches zwischen dem Regensburger Bischof Tuto und einem gewissen Richpero bezeichnet. Diese Urkunde läßt sich nicht auf ein Jahr genau datieren, wird aber um die Zeit von 894 - 930 geschätzt.
Verschiedene Theorien und Jahreszahlen existieren im Bezug auf die Errichtung der Burg. Nach Josef Fendls Vermutungen und Recherchen könnte die Burg zwischen 914 und 930 gegen die bedrohlichen Ungarneinfälle errichtet worden sein, wobei hier die Zeit nach 918, der Rückkehr Arnulfs des Bösen von Bayern, noch eher infrage kommt. Beim Bau der Anlage wurden wahrscheinlich die vorgeschichtlichen Wallanlagen (s.o.) aus architektonischen Gründen miteinbezogen.
Die Burg zu Donaustauf kann als sogenannte "Abschnittsburg" bezeichnet werden: um einen zentralen Kern der Anlage wurden mehrere Ringwälle gezogen. Die dicksten Mauern, meist die äußersten, weisen hier einen Durchmesser von 5 m (!) auf. Das zentrale Gebäude war anfangs nur von Palisadenzäunen umgeben, erst um 1050 wurden die ersten Steinbauten (Palas, Kapelle, Bergfried) errichtet. Die an den Palas anschließenden äußeren Mauern stammen wohl aus dem 12. Jahrhundert, der Torturm im Nordosten der untersten, also äußersten Ringmauer beweist, daß der gesamte Burgberg bereits im 13. Jahrhundert komplett bebaut gewesen sein muß. Urkundliche Überlieferungen zeigen zudem, daß die Burg in den Jahren bis zum 17. Jahrhundert oftmals modernisiert wurde. Zum Aufbau und der Lage der einzelnen Abschnitte der Burganlage soll ein Plan aus dem Jahre 1914 dienen (s. Abb. unten):
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Besonders hervorgehoben werden sollte hier die Kapelle(2), die in der Burg zu Donaustauf im Torturm(3) integriert wurde,vielleicht mit dem Gedanken, dem Bösen den Zutritt zu verhindern. Angeblich war die Kapelle dem Hl. Rupert geweiht, was nach J. Fendl auf den bereits erwähnten Richpero zurückgehen könnte (auch die Namen Roudhart und Roudpreht tauchen in dieser ersten urkundlichen Erwähnung auf und lassen auf den Namenspatron der Kapelle schließen).
Die Kapelle war, wie der Torturm, auf quadratischen Grundriß erbaut und besaß an jeder der vier Wände drei Nischen. Darüber hinaus zierten insgesamt 12 Säulen das Innere des Bauwerks. Noch heute sind die Nischen und Teile der Säulen an den Mauern der Burgruine zu erkennen.
Die Burg Donaustauf wechselte seit ihrer ersten urkundlichen Nennung im 10. Jahrhundert häufig den Besitzer. Bis ins frühe 14. Jahrhundert scheint sie Eigentum des Regensburger Bischofs geblieben zu sein, da in der Mitte des 12. Jahrhunderts ein Güteraustausch zwischen dem Kloster St. Emmeram und einem Regensburger Bürger urkundlich bezeugt wurde.
Gegen Ende des 12. Jhdts. wurde ein "nomine de Stopfe" als "cellarius episcopi" (bischöflicher Kellermeister)11 erwähnt. Im Jahre 1311 war die Burg Eigentum des Heinrich von Au, jedoch nur bis ins Jahr 1322, in dem Sieghart von Eglofsheim Burggraf wurde.
1340 wurde die Burg Donaustauf von Bischof Friedrich I., Burggraf von Nürnberg, für 1000 Pfund an Rueger den Reichen und Friedrich den Auer verpfändet, weil der Bischof Geld benötigte, um einen Gegenspieler durch päpstliche Hand ausschalten zu lassen. Weil Rueger der Reiche sehr bald verstarb, Eck mit seinem Herzog zerstritten war und der Bischof mit Stauf stark verschuldet war, hatte Kaiser Karl IV im Jahr 1355 leichtes Spiel beim Versuch, die Burg, die für ihn der "Schlüssel des Königreichs Böhmen" war, zu erwerben. Da die Regensburger Kirche aber mit diesem Geschäft nicht einverstanden war (Stauf war der ganze Stolz und Statussymbol des Bistums), mußte der Handel rückgängig gemacht werden. Stauf blieb weiterhin Pfand des Kaisers, des Bischofs Verschuldungen gingen jedoch weiter.
Im Jahr 1373 gelangte die Burg in die Hände der Bayerischen Herzöge, aus denen sie der Nachfolger Friedrichs, Bischof Dietrich schon 1382 durch eine Sondersteuer befreien konnte. Dieses Wechselspiel der Macht zwischen der Kirche, der Stadt und dem Herzogtum setzte sich kontinuierlich fort, denn die Anlage war als Schnittpunkt dreier Herrschaftsgebiete (freie Reichsstadt, Hochstift und Herzogtum Bayern) von größter machtpolitischer Bedeutung.
Nach zahlreichen Verhandlungen und Verpfändungen gelangte Stauf schließlich (1486) in den Besitz des bayerischen Herzog Albrecht, der zudem die Rechtslage des Marktes Donaustauf verbesserte. Selbstverständlich gingen sämtliche Besitzerwechsel und Verpfändungen nicht reibungslos vonstatten. Das Interesse an der Burg wurde oftmals durch Angriffe und gewaltsame Überfälle ausgedrückt.
Im Jahre 1633 beginnt mit dem 30-jährigen Krieg der Untergang der Burg. Die Schweden erobern Stauf und sprengen oder verbrennen die meisten Bauwerke der Anlage. Eine Wiedererrichtung der Gebäude gelang nicht, weshalb die Burg seit dem Ende des 17. Jhdts. dem Verfall geweiht war.
Die Ruine ging 1714 zunächst an das Hochstift zu Regensburg, 1766 dann an Kurbayern. 1803 wird das Fürstentum Regensburg zum stolzen Besitzer, muß den Bau jedoch 1810 an Bayern abgeben. 1812 wird die Ruine Eigentum der Fürsten von Thurn und Taxis, die seit 1899 den erblichen Titel des 'Herzogs zu Donaustauf und Wörth' tragen.
So oder ähnlich waren die meisten Reaktionen der Leute, denen ich von meinem Vorhaben, eine Facharbeit über Burgen zu schreiben, erzählte. Nun ist das Thema ja eigentlich nicht ausgefallen, da Burgen, Ritter und das dunkle Mittelalter heute viel Stoff liefern für Filme, Romane oder Geschichtsbücher. Für mich stellte es aber dennoch eine Besonderheit dar, da sich so die Gelegenheit ergab, Pflicht und Interesse zu kombinieren.
In gewisser Weise sah ich mein Thema auch als Herausforderung, da sich mir die Möglichkeit bot, aus meiner "Vorliebe" für Ruinen, Burgfräulein und tapfere Ritter mehr zu machen und die 'hohe Zeit der festen Häuser', wie sie Josef Fendl so schön beschreibt, gründlich zu erforschen.
Hierbei hatte ich durch den Leistungskurs Kunst die Möglichkeit, die Ritterzeit nicht nur durch Lesen zu erkunden, sondern konnte durch aktives Studieren der Ruinen vor Ort das Mittelalter hautnah erleben.
Nun stellt sich aber noch die Frage, was mir die eigentliche Idee zu meiner Facharbeit lieferte.
Schon als Kind schlug mein Herz höher, wenn ich Geschichten las über gruselige Burgruinen oder Bilder sah von stolzen Burgen auf hoch gelegenen Bergplateaus. Bibi Blocksberg reiste, bevor ich als Kind ins Bett ging, Abend für Abend in einer Zeitmaschine in die Ritterzeit- und ich reiste natürlich mit. Wie habe ich mir damals gewünscht, auch in meinem Garten würde plötzlich ein silbernes Ei stehen, das mich innerhalb einiger Sekunden zu Artus und seiner Tafelrunde bringen würde...
Diese Gedanken hegte ich auch, als ich Marion Zimmer Bradleys Trilogie über die sagenumwobene Insel Avalon in die Hände bekam oder wie so oft einen nächtlichen Ausflug auf eine der nahe gelegenen Burgruinen startete. Hier ertappe ich mich dabei, daß meine romantische Ader, die Josef Fendl im Bezug auf das heutige Interesse für Burgen und Mittelalter anspricht, in der ganzen Sache eine große Rolle spielt...
Zahlreiche Recherchen für meine Facharbeit widerlegten jedoch meine romantischen Vorstellungen von der Ritterzeit. Dennoch ist mein Interesse an Burgen und ihrer Geschichte(n) nicht verlorengegangen- im Gegenteil, auch wenn das Mittelalter eher düster war, so wünsche ich mir immer noch manchmal ein silbernes Ei in den Garten, das mich 500 oder 600 Jahre in der Zeit zurücktransportiert...
Begonnen hat eigentlich alles damit, daß ich vor ungefähr zwei Jahren die Ruine Donaustauf kennenlernte. Aufgrund meiner Begeisterung für mittelalterliche Bauten jeglicher Art und deren Überreste haben mich die alten Mauern, Säulen und Torbögen sofort in ihren Bann gezogen. Mir fiel es nicht schwer, die Zeit und die Leute um mich herum zu vergessen und mir statt dessen das bunte höfische Treiben auf der Bischofsburg vorzustellen.
Besonders aufregend war für mich der Fählturm (Burgverlies), den man heute noch betreten kann. Oft versuchte ich mir auszumalen, wie sich die Menschen hier wohl fühlten, wie verzweifelt sie gewesen sein mußten, bei dem Gedanken, das Tageslicht vielleicht nie mehr zu erblicken. Das sind die dunklen Seiten des Mittelalters, aber vielleicht sind es gerade sie, die diese Zeit so spannend machen...
Auf diesen ersten Besuch der Ruine Donaustauf folgten zahlreiche weitere, sowohl bei Tage, als auch bei Nacht. Die nächtlichen Ausflüge waren natürlich besonders spannend, zumal einem bei Dunkelheit auf einer Burgruine zweifellos sofort diverse Geschichten von weißen Frauen durch den Kopf schießen, die lange,weiße, im Wind wallende Gewänder tragen, plötz- lich erscheinen und sich im selben Moment wieder in Luft auflösen.(Leider ist mir nie das Glück zuteil geworden,solch eine Erscheinung sehen zu können, vielleicht hätte ein Ausflug auf die Burg Wolfsegg mehr bewirkt! )
Besonders gerne erinnere ich mich an einen Abend bzw. eine Nacht im Sommer '98 zurück, in der eine Mondfinsternis stattfinden sollte. Ich hatte mich entschlossen, dieses Naturereignis vom Burgberg zu Donaustauf zu beobachten. Mit Wolldecke und Fernglas machte ich mich am frühen Abend auf den Weg. Zunächst war ich etwas enttäuscht, daß außer mir etliche andere Leute diese Idee hatten, das änderte sich jedoch schnell wieder, als es zu dämmern begann und der Mond langsam aufging. Die Ruine diente bei dem Geschehen als romantische Kulisse, was diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließ.
Nachdem ich mich dafür entschlossen hatte, eine Facharbeit über Burgen zu schreiben, blieb nur noch die Frage, über welche. Zuerst spielte ich mit dem Gedanken, nur Donaustauf zu behandeln, entschied mich aber dann doch dafür,mindestens zwei Burgen oder Ruinen im Regensburger Umland darzustellen. So fiel meine zweite Wahl auf die Burgruine Kallmünz. Bei meinem ersten Besuch war ich sehr begeistert von den gotischen Torbögen, die mit Efeu bewachsen waren und schöne Motive für diverse Skizzen und Studien liefern würden. Zudem faszinierte mich der Bergfried, der durch eine Wendeltreppe für den Besucher zugänglich gemacht wurde. Von ganz oben hat man bei gutem Wetter eine herrliche Sicht über das ganze Umland und kann darüber hinaus die gesamte Burganlage betrachten.
Eigentlich hätten mir die beiden Ruinen Donaustauf und Kallmünz für meine Facharbeit genügt, bei dem Gedanken aber, daß mein Thema 'Burgen um Regensburg' lauten sollte, war ich nicht so ganz zufrieden, da meiner Meinung nach nur drei oder mehr Burgen diesen Plural auszudrücken vermochten.
So kam es mir gerade recht, als ich durch Zufall von einer meiner Lehrerinnen von der Höhlenburg Loch erfuhr. Diese Burg bot sich mir geradezu an, zumal sie eine deutliche Ausnahme im Burgenbau darstellt.
Ich war sehr erstaunt darüber, daß ich von dieser Höhlenanlage nicht das geringste wußte, denn der Turm war und ist ( v.a. durch die Brauerei Eichhofen) ja überall bekannt. Diese Sache mit der Höhlenburg machte mich also neugierig. Mit einer Taschenlampe bewaffnet, machte ich mich auf den Weg. Irgendwie hatte ich auf dem Weg zur Burg ein laues Gefühl im Magen,warnten mich doch alle 20 Meter irgendwelche Schilder vor dem Weitergehen: "Betreten verboten", "Betreten auf eigene Gefahr" usw.
Leider mußte ich dann feststellen, daß von den Höhlensystemen nicht mehr allzuviel erhalten war, man konnte aber noch deutlich Wände und Gänge erkennen, die zum Teil noch in den Berg hinein führten. Ich war sehr fasziniert von dieser eher merkwürdigen aber doch praktischen Bauweise und entschloß mich, auch diese Ruine in meiner Facharbeit zu behandeln.
Ich wurde selbstverständlich auch oft gefragt, warum ich mich nicht für bekannte Burgen wie z.B. Wolfsegg oder Falkenstein entschieden hatte, aber genau das war der Grund: sie waren zu bekannt. Ich wollte einerseits selbst etwas über Burgen erfahren, die nicht in aller Munde sind, und andererseits durch meine Facharbeit den Leser über diese weniger bekannten Bauwerke informieren.
Glücklicherweise gab es nicht allzuviele im Titel genannte Probleme, einige von ihnen scheinen mir aber doch erwähnenswert, um die Entstehung meiner Facharbeit realistisch darstellen zu können.
Das erste wirkliche Problem tat sich auf, als ich mich mit dem Theorieteil der Facharbeit beschäftigen wollte. Es fiel mir nicht schwer, Material über den Burgenbau, seine Entstehung und Entwicklung und das Leben auf mittelalterlichen Burgen zu finden, im Gegenteil: aufgrund der vielen Quellen, auf die ich in zahlreichen Bibliotheken der Stadt Regensburg stieß, kam ich ganz schön ins Grübeln, weil mir viele Aspekte für mein Thema sehr erforderlich erschienen und ich somit sehr viel Zeit damit verbrachte, abzuwägen, was wichtig und was weniger wichtig war, um die Facharbeit interessant und informativ gestalten zu können.
Zum anderen jedoch war es enorm schwierig, genug Informationsmaterial über die Geschichte der einzelnen Burgen zu finden. Glücklicherweise hat sich Josef Fendl in zahlreichen Büchern eindringlich mit der Burg zu Donaustauf beschäftigt, sodaß ich bei der Abhandlung dieses Themas weniger Probleme hatte. Ganz anders war es mit Kallmünz und Loch. Nach langem Suchen stieß ich in der Unibibliothek endlich auf das neu erschienene Buch "Burgen im Süden der Oberpfalz" von Andreas Boos, das mir bei meinen Recherchen im Bezug auf Kallmünz sehr hilfreich war. Mein Sorgenkind blieb jedoch die Burg Loch. Ich habe trotz langer, intensiver Suche nur wenige Quellen ausfindig machen können. Diejenigen Bücher, die ich ergattern konnte, waren dann meist aus den 70er Jahren, so daß eventuell Angaben über momentane Besitzer der Bauwerke nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen.
Eine weitere Sache,die zwar nicht unbedingt ein Problem oder eine Schwierigkeit darstellte, war die Anfertigung von Skizzen und Studien vor Ort.
Dabei ging es eher um eine 'nervliche Belastung'. Diese wurde zum einen hervorgerufen durch zahlreiche Burgbesucher, die einem andauernd über die Schulter gucken mußten, und zum anderen von den ständig wechselnden Witterungsverhältnissen. Kaum hatte man sich ein Plätzchen im Schatten oder im Trockenen ergattert, Tusche, Feder und Block zurechtgelegt, kam auch schon die erste Wolke oder ein kleiner Windstoß, oder aber es begann heimlich still und leise zu nieseln. An solchen Tagen hatte ich zwar das Glück, daß ich von niemandem gestört wurde, bei Wind und Regen aber Skizzen anzufertigen, erschien mir dann doch nicht als das Gelbe vom Ei. Also habe ich bei Sonnenschein meine Sachen ins Auto gepackt und bin losgefahren. Natürlich war dann Parkplatzsuche vorprogrammiert und ein kleines Eck auf der Burganlage zu finden, wo man ungestört war, war geradezu unmöglich. Schließlich und endlich habe ich dann aber die Blicke über die Schulter beim Zeichnen in Kauf genommen, zumal sie hier und da mit Komplimenten versehen waren.
So ähnlich trug es sich auch mit den Photos zu. Natürlich macht man Aufnahmen im Freien bei guten Wetter- und Lichtverhältnissen. So denken aber neben mir viele andere Leute, sodaß ich bei meinen Aufnahmen das gleiche Problem hatte, wie bei den Skizzen und Studien. Ständig lief irgendjemand ins Bild, wenn man gerade die richtige Kameraeinstellung gefunden hatte, oder eine kleine Wolke gerade die Sonne so abdunkelte, daß die perfekte Atmosphäre zum Motiv entstand. Und da soll man nicht grantig werden... Nach einigen Anläufen bin ich aber doch noch zu meinen Photos gekommen, aber das Ärgernis war noch lange nicht beendet.
Denn das, was mir wirklich den letzten Nerv raubte, waren die Abzüge in der Dunkelkammer. Eigentlich dachte ich, das wäre die geringste Arbeit und somit nur das 'Tüpfelchen auf dem i', aber es stellte sich bald heraus, daß ich da ganz schön falsch dachte. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich eigentlich im Photolabor war, bis endlich alles klappte. Mal wurden die Abzüge zu hell, mal zu dunkel, dann war wieder einmal genau der Vergrößerer kaputt, den ich brauchte.
Dann hat mir Steffi das Angebot gemacht,meine Abzüge von der Maschine entwickeln zu lassen, was mir natürlich gerade recht kam, weil ich dadurch Zeit sparen konnte und es zudem weniger Arbeit war. Leider stellte sich aber genau das Gegenteil heraus...
Ich machte einen Abzug nach dem anderen, aber das Photopapier kam immer grau aus der Entwicklungsmaschine heraus, mal etwas dunkler, mal etwas heller. Ich konnte machen, was ich wollte, Rotfilter half nichts, am Vergrößerungsapparat lag es nicht, da ich im 15-Minutenabstand von Vergrößerer zu Vergrößerer wechselte. Nach ungefähr zwei Stunden waren Steffi und ich wirklich mit den Nerven am Ende, bis Steffi die glorreiche Idee hatte, den Entwickler zu wechseln. Also doch wieder Schüsseln aufstellen, Abzüge machen, Photopapier in die Schüssel und warten...-und siehe da: es hat geklappt!
An diesem Tag habe ich noch alle meine Abzüge 'hinter mich gebracht' und mir geschworen, das Photolabor für die nächsten 100 Jahre nicht mehr zu betreten...
Auch wenn es in der letzten Zeit, d.h. im vergangenen Jahr einige Momente gab, in denen ich nicht mehr wußte, wo mir der Kopf stand, so hat mir die Bearbeitung meines Themas sehr viel Spaß gemacht.
Deshalb würde ich mich auch jederzeit wieder für eine Facharbeit im Leistungskurs Kunst entscheiden, obwohl der Arbeitsaufwand hier sicherlich größer ist, als in Fächern, in denen die Themen nur schriftlich behandelt werden. Gerade die Anfertigung meiner Bilder hat mir aber besonders gefallen, ich konnte mich eben in meiner Aufgabe so richtig entfalten.
Zudem habe ich sehr früh mit meiner Arbeit begonnen, so daß ich nie in Zeitdruck geraten bin oder befürchten mußte, nicht fertig zu werden.
Nach einem Jahr Arbeit hoffe ich nun natürlich, daß es mir gelungen ist, dem Leser in einige der wichtigsten Aspekte des Mittelalters und der Ritterzeit Einblick zu verschaffen und die heutigen romantischen Vorstellungen dieser Zeit zumindest teilweise durch Fakten und realistische Wissensgrundlagen ersetzen zu können.
Otto Kammerlohr, Epochen der Kunst, 1973, Schulbuchverlag Erlangen
Hans-Günther Richardi, Die schönsten Burgen, Schlösser und Klöster in Bayern, 1978, Ringer & Co AG
Hans-Günther Richardi, Alfred A. Haase,Burgen, Schlösser und Klöster in Bayern, 1978, Ringier & Co AG
Ursula Pfistermeister,Burgen und Schlösser der Oberpfalz, 1984, Verlag Friedrich Pustet
Josef Fendl, Burgen und Ritter rund um Regensburg, 1984, Mittelbayerische Verlags- und Druckereigesellschaft mbH
Joachim Zeune, Burgen, Symbole der Macht, 1997, Verlag Friedrich Pustet
Ursula Pfistermeister, Burgen und Schlösser im Bayerischen Wald, 1997, Verlag Friedrich Pustet
Andreas Boos, Burgen im Süden der Oberpfalz, 1998, Universitätsverlag Regensburg
1 J. Fendl, Burgen und Ritter rund um Regensburg, 1984, S.9
2 J. Fendl, Burgen und Ritter rund um Regensburg, 1984, S.10
3 J. Fendl, Burgen und Ritter rund um Regensburg, 1984, S.16
4 J. Fendl, Burgen und Ritter rund um Regensburg, 1984, S.16
5 U. Pfistermeister, Burgen und Schlösser der Oberpfalz, 1984, S.43
6 Urnenfelderkultur: Kulturgruppe des 13.-7- Jhdts. v.Chr. La-Tène-Zeit: Kulturperiode (5.-1.Jhdt.v.Chr.) der vorrömischen Eisenzeit im Bereich von Brittannien bis an die untere Donau
7 A. Boos, Burgen im Süden der Oberpfalz,1998, S.218
8 A. Haase, H.-G. Richardi, Burgen, Schlösser und Klöster in Bayern, 1978, S.136
9 Da die Literatur zur Burg Loch aus dem Jahr 1976 stammt, kann hinsichtlich des Besitzers im Laufe der Jahre eine Änderung statt gefunden haben. Aktuelle Quellen waren bei meinen Recherchen nicht aufzufinden.
10 A. Boos, Burgen im Süden der Oberpfalz, 1998, S.149
11 J. Fendl, Burgen und Ritter rund um Regensburg, 1984, S.60